Bitte stellen Sie sich unseren Leserinnen und Lesern doch kurz vor.
Janine Meyerstein: Ich bin die Ältere von uns beiden. Ich habe Jura (Lizenziat) und Wirtschaft (Bachelor) studiert. Nach meiner Zeit an der Uni und diversen absolvierten Praktika bin ich dann – das müsste im Jahr 2006 gewesen sein – in die Firma gekommen.

Marlene Meyerstein: Ich war bis zur Matura auf einem Internat und habe dann – nach einem kurzen Ausflug in die Rechtswissenschaften –Kommunikation auf Bachelor studiert. 2008 habe ich dann richtig im Unternehmen angefangen.

War der Vater hier die treibende Kraft?
Janine Meyerstein: Nein, beiden Elternteilen war es wichtig, dass wir eine gute Ausbildung geniessen. Sie hatten den Betrieb damals gemeinsam aufgebaut.

Wie hat damals alles angefangen?
Janine Meyerstein: Mein Vater hat an der HSG studiert und dann zuerst bei Mövenpick, später bei Esso gearbeitet. Irgendwann wollte sich unsere Mutter selbständig machen, gemeinsam haben sie schliesslich eine Tankstelle in Lenzburg übernommen. Damals war ich ungefähr zwei oder drei Jahre alt, meine Mutter hat mich oft mit zur Tankstelle genommen. Jedenfalls hat alles damit angefangen, dass sie irgendwann zwei Waschplätze hinter die Tankstelle bauen liessen, um das Tankgeschäft etwas anzukurbeln. Auf diese Weise ist dann die Idee entstanden, das ganze zu erweitern und einen Waschcenter zu bauen.

Gab es damals schon etwas in der Richtung?
Janine Meyerstein:
Nein, eigentlich nicht. Niemand hatte sich zu dieser Zeit bereits auf das Autowaschen konzentriert. Natürlich gab es damals auch schon andere Tankstellen, neben denen man sein Auto waschen konnte. Ein professionelles Waschcenter, wie wir es heute kennen, gab es aber seinerzeit noch nicht. Gerade die Kombination aus Portalanlagen, SB-Platz, Waschstrassen und Staubsaugerservice suchte man damals noch vergebens. So waren wir die ersten, die gesagt haben, dass es pro Waschanlage mindestens einen oder zwei Staubsauger braucht. Das ist wichtig für alle Kunden, schliesslich wollen sie ihr Auto ja nicht nur von aussen reinigen, sondern auch dessen Innenraum hegen und pflegen. Heute gibt es kaum einen Konkurrenten, der so viele Staubsauger hat wie wir.

Woher kam die Idee mit den Waschcentern?
Janine Meyerstein: Eigentlich aus Deutschland. Meine Eltern haben damals schon mit deutschen Anbietern zusammengearbeitet. Es gibt dort ja den BTG (Bundesverband Tankstellen und gewerbliche Autowäschen, Anm. d. Red.), bei dem wir auch heute noch aktives Mitglied sind. Da meine Mutter immer Angst hatte, im Auto sitzend durch eine Waschstrasse zu fahren, gab es bei uns dann auch schon früh die ersten Waschanlagen mit Kundengang. Es war ihr wichtig, diese dann auch einigermassen «wohnlich» zu gestalten, sie hat sie dann etwa mit Colani-Lampen und einem schönen Boden ausstatten lassen. In dieser Hinsicht waren wir wirklich ein Vorreiter.

Da haben Sie wohl eine richtige Marktlücke entdeckt! Und Ihre Eltern hatten wohl damals schon ein gutes Gespür für die richtigen Standorte…
Marlene Meyerstein: Ja, das kann man so sagen. Allerdings bekommen wir die Standorte auch oft angeboten. Da gibt es ja oft gute Synergien mit amerikanischen Burgerketten oder gewissen grösseren Tankstellenbetrieben. Wir sind aber natürlich auch immer auf der Suche, die Evaluationen übernimmt hier nach wir vor unser Vater (lacht). Er hat einfach sehr viele gute Kontakte, die sich dann manchmal fruchtbar machen lassen. Aber auch wir, die Jüngeren, sind gerade dabei, in diese wichtigen Netzwerke hineinzukommen.

Was sind den die wichtigsten Kriterien bei der Standortsuche?
Janine Meyerstein:
Natürlich vor allem die Frequenz, aber auch die direkten Zu- und Wegfahrmöglichkeiten. Mit letzteren kämpfen wir derzeit im Tiefenbrunnen, wo die SBB ein Bürogebäude bauen will. Für uns wird dadurch die ganze Zu- und Wegfahrsituation verschlechtert.

Während man an manchen Schweizer Tankstellen sein Auto für CHF 15 waschen kann, zahlt man in Ihren Waschstrassen zum Teil mehr als das Doppelte. Wie rechtfertigen Sie Ihre vergleichsweise hohen Preise?
Janine Meyerstein: Also in unseren Stützliwösch-Anlagen kostet das Autowaschen auch nur CHF 7.- Bei unseren Waschstrassen, die sie ansprechen, gibt es aber auch Portalanlagen mit Autowäschen ab CHF 13.-, z.B. im Aargau. Hier ist aber natürlich der Dienstleistungs- und Reinigungsgrad geringer als bei unseren Waschstrassen. Letztere sind natürlich auch viel personalintensiver, da hier der Dienstleistungsgedanke gross geschrieben wird. Wenn Sie hier ihr Auto waschen, haben Sie mit mindestens drei Mitarbeitern direkten Kontakt: Einer, der abkassiert; einer der sie einweist; und schliesslich einer, der am Ende des Waschgangs abtrocknet. Wir legen dabei grossen Wert auf die Freundlichkeit unserer Angestellten, die wir durch attraktive Arbeitsbedingungen auch möglichst lange an uns binden wollen. Die Mitarbeiter, die Sie an unserem Standort am Hauptbahnhof bedienen, sind etwa schon über zehn Jahr bei uns. Ferner haben wir sehr gute Wasseraufbereitungsanlagen, Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind für uns wichtige Themen: Beispielsweise brauchen wir heute pro Auto nur noch 10% Frischwasser! Und dann kommt es natürlich sehr stark auf die eingesetzte Chemie an, die bei uns die beste Qualität hat. Seit letzten Mai verwenden wir beispielsweise teure Lotus-Chemie, die es zur Zeit nur bei uns gibt. Wir wollen unseren Kunden einfach in allen Bereichen nur das beste Anbieten, auch vermeintliche Kleinigkeiten wie guter Kaffee, gratis Hundefutter usw. gehören für uns zur Kundenpflege mit dazu!

Wie kam es denn zur Idee, den Luxus-Waschcenter Meylenstein aufzubauen?
Merlene Meyerstein: Ursprünglich war eigentlich nur geplant, eine Kundenlounge zu realisieren. Da die Innenreinigung und die Politur ja immer eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt, wollten wir unseren Kunden einen Raum zum Entspannen und Wohlfühlen zur Verfügung stellen. Anfänglich wollten wir die Lounge nur zu den Hauptgeschäftszeiten zwischen 8 und 17 Uhr aufmachen, bis wir dann auf die Idee mit der Apéro-Bar kamen. Gemütlichkeit und Musik nach 17 Uhr und am Abend, das ist für uns nach wir vor ein überzeugendes Konzept. Auch kostenlose Ersatzautos stellen wir unseren Kunden zur Verfügung, so dass diese auch während der Reinigung ihrer Fahrzeuge mobil sein können.

Janine Meyerstein: Die Erfahrung hat uns auch gelehrt, dass geschlossenen Gesellschaft für Meylenstein wichtig sind, um dauerhaft Erfolg zu haben. Diesen werden die Räumlichkeiten an bestimmten Tagen in der Woche zur Verfügung gestellt. Am Anfang war das natürlich mit einem gewissen Risiko verbunden, doch es hat sich bis heute bewährt. Heute sind wir stolz auf diesen Flagship-Store, natürlich auch, weil er mittlerweile ganz rentabel ist.

Ist Meylenstein denn wirklich nur für die Superreichen erschwinglich, oder kann auch der durchschnittliche Familienvater hier am Samstag sein Auto waschen?
Janine Meyerstein: Natürlich haben wir viele Kunden, die problemlos CHF 200 für eine Autowäsche ausgeben können. Aber dieses Luxus-Image wurde auch durch die Medien etwas aufgebauscht. Die Preise für die normalen Dienstleistungen sind hier dieselben wie an unseren anderen Standorten, so dass eigentlich jeder zu uns kommen kann.

Wie sieht denn die Aufgabenverteilung zwischen Ihnen beiden aus?
Marlene Meyerstein: Das ist schwer zu sagen, da wir eigentlich beide so ziemlich dasselbe machen. Vielleicht bin ich eher noch an der Front und auf Veranstaltungen anzutreffen als Janine, die dafür gern mit Zahlen rumjongliert. Schliesslich hat sie ja auch Wirtschaft studiert, das war für mich schon während der Matura-Zeit ganz furchtbar (beide lachen)! Wir sind also charakterlich zwei sehr unterschiedliche Menschen, was sich aber hervorragend ergänzt!

Janine Meyerstein: Das würde ich auch sagen! Marlene ist vor allem auch für die visuellen und ästhetischen Bereiche zuständig, das ist alles gar nicht mein Fall. Sie sieht sofort, wenn irgend ein Detail in der Waschstrasse nicht stimmt oder ein Mitarbeiter mal schwarze statt blaue Hosen anhat. Das sehe ich alles gar nicht! Das Gute ist aber, dass wir hier ein gemeinsames Büro haben und uns eigentlich auch fast alles erstmal zusammen anschauen. Damit sind wir bislang gut gefahren!

Marlene Meyerstein: Man muss aber noch dazusagen, dass gerade bei Meylenstein unsere Mutter noch mit vollem Einsatz dabei ist und viel für den Kundenaustausch tut. Sie unterstützt uns damit nach wie vor sehr. Das ist schon wichtig, da Janine ja gerade auch mit Zwillingen schwanger ist und ich daher auch manchmal schon einige ihrer Aufgaben übernehmen muss. Hoffentlich gibt es da bald keine Probleme mit den Banken (lacht)!

Das freut uns sehr zu hören – wir gratulieren recht herzlich! Meinen Sie, Janine, dass es schwer sein wird, Geschäft und Familie mit gleich zwei Kindern unter einen Hut zu bekommen?
Janine Meyerstein:
Nein, darüber mache ich mir eigentlich noch gar keine Gedanken. Das lasse ich jetzt mal ganz entspannt auf mich zukommen!

Marlene Meyerstein: …Und ich bin ja auch noch da. Sie bekommt ja zwei Kinder, da bekomme ich dann bestimmt eins ab (lacht)!

Janine Meyerstein: Familienplanung ist für uns aber schon wichtig, das war bei uns schon immer so, so wurden wir erzogen. Natürlich gibt uns das auch Kraft!

Marlene Meyerstein: Streit oder Diskussionen gibt es aber schon auch mal zwischendurch. Es ist nicht immer alles harmonisch (lacht)!

Gibt es etwas, worüber Sie sich im Alltagsgeschäft regelmässig ärgern müssen?
Janine Meyerstein: Klar, das gibt es immer wieder mal. Neben dem Wetter, das mitunter geschäftsschädigend sein kann, gibt es – wenn auch zum Glück nur in wenigen Fällen – schon auch mal Ärger mit einem Angestellten oder schwierigen Kunden. Aber das ist ja wahrscheinlich in jedem Betrieb so. Wir versuchen dann einfach immer, für beide Seiten das Beste rauszuholen!

Schwierig wird es nur manchmal, wenn auf die Kunden nach der Wäsche Kratzer an ihren Luxus-Autos feststellen. Da ist es dann fast unmöglich, deren Herkunft zu klären. Wir achten daher bei unseren Mitarbeitern sehr darauf, dass sie keine Gürtel oder andere harte Gegenstände am Körper tragen, um so etwas von vorneherein zu vermeiden. Es ist auch schon vorgekommen, dass vor der Wäsche ein Fenster einen kleinen Spalt weit offen gelassen wurde und am Ende die ganze Elektronik kaputt war. Da geht dann natürlich das Rätselraten los: War es der Mitarbeiter, der schon seit 15 Jahren tadellos für uns arbeitet? War es der Kunde, der etwas nervös in die Waschanlage eingefahren ist, da er sich noch nicht so gut mit seinem teuren Neuwagen auskennt? Oder ist vielleicht sogar der Hund des Besitzers an den Knopf gekommen? Da wir dienstleistungsorientiert sind, wollen wir natürlich unsere Kunden bei solchen Sachen nicht vor den Kopf stossen. Trotzdem dürfen wir uns auch nicht alles gefallen lassen!

Ist es für Sie als Frauen manchmal schwer, sich in einem solchen männerdominierten Business zu behaupten?
Marlene Meyerstein: Nein, da hatten wir eigentlich noch nie Probleme. Wir haben da viel von unserer Mutter gelernt, die immer sehr selbstbewusst, freundlich, aber auch bestimmt mit ihren Mitarbeitern umgegangen ist. Ausserdem sind wir sind ja mit dem Geschäft aufgewachsen und kennen uns in dem ein oder anderen Bereich vielleicht sogar besser aus als so mancher Mann! Wir werden jedenfalls seit jeher respektiert, unsere Arbeit wird wertgeschätzt.

Janine Meyerstein: Genau! Da wir immer schon parallel zu unserem Studium fleissig im Betrieb mitgearbeitet haben, war es für uns kein Sprung ins kalte Wasser. Schon vor vielen Jahren haben wir die Lohnbuchhaltung gemacht, Schadenfälle bearbeitet usw. Wir wussten also sehr früh, was auf uns zukommt!

Wie viel Mitarbeiter beschäftigen Sie in Ihrem Unternehmen?

Marlene Meyerstein: An unseren acht Standorten beschäftigen wir derzeit ca. 60 feste Vollzeit-Mitarbeiter und noch ein paar Teilzeitkräfte.

Wie erholen Sie sich vom Alltagsstress?
Marlene Meyerstein:
Ich gehe gern gut Essen und koche nach der Arbeit auch sehr viel selber. Manchmal entspannen wir uns auch gemeinsam über`s Wochenende im Tessin oder im Boot auf dem See.

Janine Meyerstein: Die Leidenschaft für`s Essen verbindet uns! Wir kochen zusammen und essen dann im Kreis der ganzen Familie. Besonders sportlich sind wir alle ja nicht gerade – wir sind Genussmenschen (lacht)!

Auch wenn wir dieses Gespräch gerade im Kanton Aargau führen, wohnen Sie ja beide in Zürich und sind auch oft zum Arbeiten dort. Was gefällt Ihnen an der Stadt?
Janine Meyerstein:
Zürich ist für mich einfach eine Stadt, in der ich mich frei fühle. Zunächst ist da natürlich der See, der mir sehr wichtig ist. Dann begeistert mich natürlich auch die Weltoffenheit, die diese Stadt ausstrahlt, ohne dabei ihre Heimatverbundenheit zu verlieren. Zürich ist einfach ein grosses Dorf, in dem jeder jeden kommt – wie eine grosse Familie! In eine grössere Stadt oder ins Ausland würde ich eher nicht ziehen wollen, da man hier alles super schnell erreichen kann und sich auch sehr sicher fühlt.

Marlene Meyerstein: Genau! Ich finde auch, dass Zürich die ideale Grösse für eine Stadt hat. Man hat kurze Wege und bekommt doch auch ab und zu eine gewisse Weite zu spüren. Und natürlich last but not least: Es gibt hier sehr viele schöne Autos, die man alle bei uns waschen lassen kann (lacht).