© Corinne Cuendet, Clarens/LIGNUM

Wintergarten ist nicht gleich ­Wintergarten. Zuerst sollte man sich darüber klarwerden, was die Gegebenheiten sind und was man vom Wintergarten eigentlich erwartet. Was möchte man in dem neuen Raum am liebsten tun: essen, lesen, Büroarbeiten erledigen, Pflanzen ziehen? Wie oft, über das Jahr gesehen, will man den Wintergarten benutzen? Soll er ganzjährig zu gebrau­chen und vom übrigen Wohnraum her uneingeschränkt zugänglich sein, also im Grunde als voll funktionsfähiger Anbau dienen? Soll der Wintergarten ebenerdig liegen und sich damit auf den Garten orien­tieren, oder könnte er als verglaster Balkon auf Stelzen stehen, mit Zugang über eine obere Etage, damit man mehr Aussicht geniesst?

Soll der Wintergarten vielleicht sogar über mehrere Geschosse, über die ganze Höhe des Hauses reichen? Welche räumlichen Dimensionen, welche Grundfläche sind von Haus und Garten her überhaupt möglich? Was wird vom Baureglement der Gemeinde her bewilligt, was nicht? Was lässt der vorgesehene Standort erwarten? Die Nordseite ist kühl; das bedeutet mehr Heiz­kosten im Winter. Die Südseite ist heiss; das bedeutet Treibhausklima im Sommer. Liessen sich eine günstige Südost- oder Südwestlage einrichten? Wie gelangt man bei ebenerdiger Lage nach draussen; wie soll sich der Wintergarten öffnen lassen? 

Investieren zahlt sich aus
Nach den Antworten auf diese Fragen richtet sich das Konzept bezüglich Bauart, ­Vorbereitung des Untergrundes, Wahl des Glases und der Öffnungen, Beschattung, Belüftung und Heizung. Die aufgrund der Anforderungen gewählte Ausführung bestimmt den Mittelbedarf für die Erstellung des Wintergartens. Dazu kommen die Aufwendungen für den Betrieb und Unterhalt: Auslagen für Heizung und Beleuchtung, ­Begrünung und andere Ausstattung, Reinigung, spätere Auffrischungen oder Reparaturen. Sparen als oberstes Ziel ist in der Konzeptphase nicht unbedingt sinn­voll. Denn wer am Anfang vor allem billig wegkommen will, muss vielleicht später tief in die Tasche greifen, sei es wegen Nachrüstungen mit zunächst «gesparten» Elementen und Details, mit ärgerlich hohen Kosten für die Heizung oder anderen Nachbesse­rungen, die ins Tuch gehen. Den Wintergarten sollte man sich deshalb vom Fachmann offerieren lassen und auf eine sorgfältige und langlebige Ausführung achten.

Ebenerdige Wintergärten brauchen eine Bodenplatte aus Beton mit einer darauf ­angebrachten Feuchtigkeitssperre und Dämmung. Die Aussenwände gehören auf Streifenfundamente aus Beton. Das erfordert natürlich Erdarbeiten. Die meisten ganzjährig nutzbaren Wintergärten erhalten bei uns zudem eine Bodenheizung. Sie funktioniert am besten unter Tonplatten, Keramik, dünnem Naturstein oder auch Parkett. 

Für die Aussenwände kommt mit Vorteil Isolierglas zum Zug; im Dachbereich empfeh­len sich Sonnenschutzgläser. Je nachdem wählt man Fensterflügel zum Öffnen, Fenstertüren, Glasfaltwände oder Hebe­schie­betüren. Wichtig ist, dass die Verglasung ohne Wärmebrücken ausgeführt wird. Die Beschattung sollte physikalisch gesehen idealerweise aussen liegen. Denn sonst droht der Treibhauseffekt: Die Sonneneinstrahlung wird im Innern des Wintergartens in Wärme umgewandelt, die dann durch das Glas nicht mehr nach draussen findet. Für die Beschattung gibt es Spezialstoffe oder Lamellen. Betätigt werden Beschattung und Lüftung – am besten über eine automatische Steuerung. Das spricht für motorisch angetriebene Systeme.

Kein Treibhaus
Apropos Treibhaus: Gegen den Treibhauseffekt auf globaler Ebene kann man etwas tun, indem man sich bei seinem Wintergarten für eine Holzkonstruktion entscheidet. Denn Holz wächst, indem der Baum das Treibhausgas CO2 aus der Luft aufnimmt und den Kohlenstoff verbaut. Ein Kubikmeter Holz speichert annähernd eine Tonne CO2. Holz, das für langlebige Güter wie Häuser, Hausteile, Möbel usw. verwendet wird, wirkt deshalb als CO2-Speicher. Es entlastet unmittelbar das Klima.

Dieser Effekt wird umso stärker, je mehr Holz anstelle anderer Materialien verwendet wird. Im Baustoff Holz steckt nämlich sehr wenig graue Energie, weil die Produktion des Rohstoffs von der Natur übernommen wird. Dafür braucht es weder Erdöl noch Strom. Doch auch die Ernte und Verarbeitung von Holz erfolgen ausgesprochen energiearm. Die Konsequenz: Jeder Kubikmeter Holz, der zum Beispiel für ­einen Wintergarten anstelle anderer Mate­rialien zum Zug kommt, vermeidet eine Klimabelastung von einer Tonne CO2.

Eine unschlagbare Konstruktion
Doch auch handfeste technische Gründe sprechen für Holz, wenn es um Winter­gärten geht. Denn Holz hat die kleinste Wärmedurchgangszahl aller gängigen ­Materialien und isoliert deshalb von Natur aus hervorragend. Die einheimischen ­Hölzer Fichte, Tanne, Föhre, Douglasie und Lärche ermöglichen als Baumaterial für Wintergärten eine sehr breite gestalte­rische Palette und schaffen Konstruktionen, die immer leicht und offen wirken. Denn die hohe Tragkraft des Baustoffs, zumal in der Form von Brettschichtholz, erlaubt schmale Profile und grosse Spannweiten. Brettschichtholz besteht aus mindestens drei parallel verleimten Brettern und ist noch formbeständiger als Vollholz.

Zwei Erstellungsweisen kommen für eine Wintergartenkonstruktion aus Holz infrage: die Pfosten-Riegel-Konstruktion oder die Elementbauweise. Letztere verkürzt die Bauzeit wesentlich und vermindert zugleich Lärm- und Staubimmissionen. Alle benötigten Teile werden in der Werkstatt gefertigt, als Ganzes auf die Baustelle ­gebracht und montiert. 

Die Holzkonstruktion für einen Winter­garten muss wasserabweisend sein. Dafür wird sie aussen gestrichen oder lasiert. Der Anstrich ist nach einigen Jahren zu erneuern. Am Fuss der Konstruktion darf sich kein stehendes Wasser bilden, und auch Spritzwasser soll das Holz nicht durchfeuchten können. Innen ist dagegen keine Pflegemassnahme nötig, abgesehen von einem allfälligen Vergilbungsschutz.

Beinahe unschlagbar ist die Kombination von Holz mit einem Wetterschutz aus Metall, meist Aluminium. Dieser weist aussen das Wasser ab und hält so die Unterhaltsaufwendungen tief, während innen das Holz für ein gutes Wohngefühl sorgt. Das Aluminium lässt sich mit Eloxieren oder Thermolackieren farblich individuell gestalten. 

Weitere Informationen:
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