Dabei geht es darum, dem Volkswillen nach Grünraum und ­Naturschutz zu entsprechen und gleichzeitig dringend be­nötigten Wohnraum im Bereich Badischer Bahnhof, Wettstein, Rosental und Rankhof zu schaffen, dies nicht zuletzt aufgrund des Roche-Entscheids, über drei Milliarden Franken in den Standort Basel zu investieren, der auch die Schaffung von 2 000 Arbeitsplätzen beinhaltet.

Im Interview mit dem «Geschäftsführer» bekräftigt Kantons- und Stadtentwickler Thomas Kessler die Notwendigkeit, die angespannte Wohnraumsituation zu entspannen, den Volkswillen zu respektieren und zusammen im Dialog mit Kritikern und potenziellen Investoren der angedachten Stadtrandentwicklung Ost verträgliche Lösungen zu entwickeln.

Geschäftsführer: Kurz nach der Abstimmung zur Stadtrandentwicklung Ost, beziehungsweise dem Nein des Volkes zum Bau von 12 Wohntürmen kündigte der Regierungspräsident die Auflage eines neuen diesbezüglichen Projektes an, was zumindest bei den Abstimmungsgewinnern für Irritationen sorgte. Können Sie das nachvollziehen?

Thomas Kessler: Der Eindruck, dass die Regierung sich um den Volkswillen foutiert, ist nicht richtig. Das Gegenteil ist der Fall, denn das gleichzeitige Nein zur Stadtrand­entwicklung Süd oder die ablehnende Haltung insbesondere in Riehen zu baulichen Grossprojekten haben vor allem gezeigt, dass die Bevölkerung den Erhalt von Grünzonen und den Naturschutz hoch bewertet, was die Regierung aufnehmen und in ihre Überlegungen einbeziehen wird. Wir werden nun Gespräche mit betroffenen Bewohnern, Kritikern und potenziellen Investoren führen, um im Dialog deren Inputs aufzunehmen, um sowohl den Erhalt von Grünflächen und den Naturschutz als auch den Bedarf an Wohnraum möglichst unter einen Hut zu bringen.  

Wieso wird der Stadtrandentwicklung Ost so viel Bedeutung beigemessen?

Zum einen benötigen wir dringend mehr Wohnraum in Basel. Zudem ist mit dem Entscheid der Roche, einen zweiten Turm zu bauen und erfreulicherweise insgesamt 3,4 Milliarden Franken in den Standort Basel zu investieren – was sich unter anderem in der Schaffung von Arbeitsplätzen für rund 2 000 Menschen niederschlägt –, eine neue Ausgangslage entstanden, auf die Basel reagieren muss. Zusätzlicher Wohnraum in der Nähe der Roche würde einerseits die Pendler- und Mobilitätsproblematik nachhaltig lösen. Anderseits würde der Druck insbesondere auf Wohnungen in den anliegenden Quartieren ge­mildert.

Was sind denn die Alternativen zu den zwölf Wohntürmen, die ja nicht gebaut werden sollen, denn mehr Platz steht ja eigentlich nicht zur Verfügung?

Wir sollten das gesamte Gebiet rund um den Badischen Bahnhof, inklusive Rosental, Wettstein, Erlenmatt und Rankhof, in unsere Überlegungen einbeziehen. Dabei geht es nicht darum, neue Hochhäuser zu planen, sondern den bestehenden Baubestand und vorhandene Nutzungsflächen zu optimieren und für Erweiterungen als Wohnraum zu nutzen. So wurden in den letzten Jahren jeweils einige Dutzend Wohnungen durch Dachstockausbauten gewonnen. Dabei macht der Kanton in Beratungsangeboten auf Ausbaumöglichkeiten aufmerksam, der Investitionsentscheid liegt jedoch bei den Eigentümern.