Tillotts Pharma vermarktet ihre eigenen Produkte, wie Asacol®, Entocort®, Colpermin® oder Vistaprep®, sowie lizenzierte Produkte in Europa durch ihre Tochtergesellschaften in Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Irland, Schweden, Spanien und Tschechien sowie über ein weltweites Netzwerk sorgfältig ausgewählter Vertriebs- und Marketingpartner. 99% ihrer Einnahmen erwirtschaftet sie ausserhalb der Schweiz. Neben Europa sind vor allem Japan und der Mittlere Osten wichtige Märkte für das Unternehmen.

Tillotts beschäftigt über 180 Mitarbeitende in der Schweiz an ihren Standorten in Rheinfelden und in Ziefen. Am Hauptsitz in Rheinfelden sind neben den pharmazeutischen und klinischen Entwicklungsabteilungen des Weiteren die Abteilungen für Regulatory Affairs und die Qualitätsprüfung sowie die laufende und systematische Überwachung der Sicherheit der Medikamente, die Rechts- und Finanzabteilung sowie das Sales- und Marketing-Team und weitere Geschäftseinheiten beheimatet. Tillotts Services, welche sich auf die Auftragsfertigung von mit Flüssigmedikamenten gefüllten Hart-Gelatine-Kapseln für Drittunternehmen spezialisiert hat, ist in Ziefen angesiedelt. Dort wird auch das Tillotts-Medikament Colpermin® hergestellt.

Im Interview mit dem «Geschäftsführer» beschreibt Thomas  A. Tóth von Kiskér, CEO Tillotts Pharma, die Unternehmensziele und die Tätigkeitsfelder des Unternehmens und umreisst die Wachstumsstrategie und Unternehmensphilosophie.

«Geschäftsführer»: Welches Ziel hat sich die Tillotts Pharma gesetzt?
Thomas A. Tóth von Kiskér: Wir wollen in den nächsten Jahren in Europa ein führender Spezialist im Bereich der Gastroenterologie werden. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die Lebensqualität der Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) zu verbessern.

Wie verbreitet sind chronisch-entzündliche Darmerkrankungen?
Allein in der Schweiz sind ungefähr 150’000  Menschen, weltweit über fünf Millionen, von einer CED wie Colitis Ulcerosa oder Morbus Crohn betroffen. Die Krankheiten manifestieren sich durch chronischen Durchfall häufig mit Bauchschmerzen, Leistungsabfall oder Müdigkeit. Die Krankheiten lösen bei vielen Patienten zusätzlich Depressionen aus. Oft müssen bei den Patienten auch Teile des Darms operativ entfernt werden. Eine Heilung von CED ist zurzeit noch nicht möglich. Dank den Medikamenten von Tillotts können die Symptome jedoch gemildert und die Lebensqualität der Patienten signifikant verbessert werden.

Und solche Medikamente werden von Tillotts Pharma entwickelt?
Einerseits entwickeln wir entsprechende Mediakente selbst – im Moment haben wir zwei Produkte in der Pipeline, welche sich in der letzten Phase vor der Zulassung befinden – andererseits vermarkten wir entsprechende Medikamente anderer Hersteller. So haben wir vor gut einem Jahr die globalen Rechte an Entocort® von AstraZeneca ausserhalb der USA erworben. Entocort® ist ein lokal wirkendes Glukokortikosteroid, das gegenwärtig in mehr als 40 Ländern für die Behandlung von Morbus Crohn und in einigen Ländern von Colitis Ulcerosa zugelassen ist und unser Asacol®-Portfolio perfekt ergänzt.

Ist der Rechteerwerb von Entocort® ein Beispiel für die von Tillotts Pharma verfolgte Wachtumsstrategie, um ihr Ziel, in Europa ein führender Spezialist im Bereich der Gastroenterologie werden, zu erreichen?
Unsere Wachstumsstrateige beruht in erster Linie auf einem ausgewogenen Produkteportfolio. Das heisst, wir wollen nicht einfach quantitatives,
sondern qualitatives Wachstum. Wir streben einen ausgewogenen Mix aus
Eigenentwicklungen sowie Unternehmens- und/oder Produktkäufen an. Zentral dabei ist, dass wir unsere Produkte in vielen Ländern selbst vermarkten und somit über den wichtigsten Teil der Wertschöpfungskette eines Medikamentes verfügen. Diese Strategie hat sich bewährt, denn wir verzeichnen Jahr für Jahr Zuwachsraten im zweistelligen Prozentbereich und konnten so seit 2009 Umsatz und Mitarbeiterzahl mehr als verdoppeln.

Tillotts Pharma ist ein global tätiges Unternehmen. Welchen Einfluss hat das auf die Unternehmenskultur?
Wir sind ein in der Branche vergleichsweise kleines Unternehmen und legen grossen Wert auf fortschrittliche Arbeitsbedingungen, transparente Kommunikation, auf die Mitwirkung der Mitarbeitenden in Firmenbelangen und auch zum Beispiel auf flexible Arbeitszeitmodelle, was sich in einer überdurchschnittlich hohen Frauenquote niederschlägt. Die Unternehemenskultur ist natürlich auch stark dadurch geprägt, dass unsere hoch qualifizierten Mitarbeitenden aus 22 Nationen stammen, was sich äusserst bereichernd auf unsere Arbeit auswirkt. Gepaart mit einem mitarbeiterfreundlichen Arbeitsklima entsteht dabei eine kreative und gleichermassen ziel- und leistungsorientierte Atmosphäre. Besonderen Wert legen wir darauf – und dies entspricht auch unserer Vision 2020 – dass unsere Mitarbeitenden nicht einfach als Angestellte denken und handeln, sondern wie Unternehmer und dementsprechende Kompetenzen und die damit verbundene Verantwortung übernehmen.

Wie gross ist der Einfluss des japanischen Mutterhauses, der Zeria Group, auf Tillotts Pharma?
Tillotts Pharma ist in Bezug auf unsere Visionen, Strategien oder die Arbeit des Managements absolut autonom und geniesst diesbezüglich grosses Vertrauen des Mutterhauses.

Wie bewährt sich der Standort Nordwestschweiz?

Wir bekennen uns – trotz internationaler Ausrichtung – klar zum Standort Rheinfelden welcher sich sehr bewährt hat. Hier haben wir guten Zugang zu bestens qualifizierten Arbeitskräften und finden wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen. Vor allem mit dem Standort Rheinfelden sind wir auch verkehrstechnisch sehr gut angeschlossen.

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