Herr Ouboter, waren Sie schon immer ein Tüftler?
Eigentlich bin ich weniger Tüftler, sondern eher «Marketing-Visionär». Mich fasziniert es, Bedürfnisse im Mobilitätsbereich durch clevere Lösungen zu befriedigen. Dabei geht es mir immer darum, für den Kunden einen grösstmöglichen Nutzen aus neuen Technologien zu ziehen und bereits bestehende neu zu kombinieren. Ob Kickboard, Micro Scooter oder Mini Micro, unsere Lifestyle-Produkte sind oftmals Kombinationen bereits bestehender Elemente. 
Woher holen Sie sich die Ideen für immer neue Produkte?
Nach der Markteinführung unseres ersten Produkts 1999 hatten wir reichlich Nachahmer aus Asien. Anstatt uns mit ihnen einen ruinösen Preiskampf zu liefern, haben wir die Blue-Ocean-Strategie verfolgt. Wir haben rote Gewässer, in denen sich zu viele Haie um die gleiche Beute streiten, verlassen und unseren Erfolg im abgelegenen, stahlblauen Wasser gesucht. Konkret bedeutet das für uns, konstant neue Konzepte zu entwickeln, neue Produkte zu kreieren und neue Märkte zu bearbeiten. Unser Leitspruch lautet daher driven by innovation – powered by passion. Gleichzeitig konzentrieren wir uns auf unseren Kernbereich der urbanen, portablen und vernetzten Mobilität, um uns nicht zu verzetteln. Nur so konnten wir zu einem Hidden Champion werden.
Sie haben eine sehr differenzierte Zielgruppe. Wie begegnen Sie dieser Herausforderung im Marketing?
Im Zentrum steht für uns Mobilität für die ganze Familie. Unter diesem Leitgedanken lassen sich beinahe alle unsere Produkte zusammenfassen. Mit dem Mini2go bieten wir für die Kleinsten in der Familie schon ein tolles Produkt an, das Spiel und Fahrspass vereint. Danach geht es auf Rädern in den Kindergarten oder in die Schule. Wenn die Eltern bei dem Tempo ihrer Kinder mithalten wollen, müssen sie auch auf Rollen von Micro umsteigen. Sei es auf ein normales Kickboard, ein Kickboard mit Koffer, unser HYbrid-kick oder Pedalflow. Unsere Micro Xtreme Scooter erfordern einen anderen Ansatz. Mit ihnen bewegen wir uns in der gleichen Szene wie die Skateboarder, weshalb eine gewisse Abgrenzung notwendig ist. Entsprechend wird dieser Bereich des Marketings bei uns von einem jungen Team gesteuert und dezentral geführt. 
Was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit?
Der ökologische Gedanke beginnt bereits bei der Produktentwicklung. Wir sind darauf bedacht, so wenig Material und Ressourcen wie möglich für unsere Scooter zu verwenden und diese qualitativ hochwertig zu verarbeiten. Mit dem Mini2go beispielsweise haben wir ein Produkt geschafften, das durch verschiedene Umbaumöglichkeiten mit dem Kind mitwächst. Wir bewerten und optimieren unsere Produkte nach einer simplen Rechnung: Gewicht geteilt durch Gebrauchsstunden ergibt den Materialanteil pro Gebrauchsstunde. Die gleiche Rechnung lässt sich auch auf den Preis adaptieren. So kann ein anfänglich günstiges Produkt recht teuer werden, wenn das Interesse daran schnell verloren geht.
Sind Ihre Produkte noch im Trend?
Mehr denn je! So langsam gewinnen wir neben den Kindern auch die Erwachsenen als Fans. Platzsparende Verkehrsmittel sind für den urbanen Verkehr die beste Variante. Sie lassen sich einfach mit dem Angebot des öffentlichen Verkehrs kombinieren und können überall hin mitgenommen werden. Kinder bringen unsere Produkte nicht nur co2-neutral in die Schule, sondern motivieren sie auch zur Bewegung, anstatt die ganze Zeit vor kleinen Bildschirmen zu verbringen, die sie nicht selten bewegungsfaul machen. Auch unsere Promi-Fans wie Will Smith, François Hollande, Hugh Jackman oder die Familie Beckham tragen enorm zur Beliebtheit unserer Produkte bei.
Ihre neuste Erfindung steht ganz unter dem Motto «urbane Mobilität». Was bedeutet das für Sie persönlich?
Bewegung in der Stadt muss in erster Linie praktisch sein, aber auch Spass machen. Unser hybrider Scooter HYbrid-Kick macht einfach süchtig, weil das Fahrerlebnis mit seiner Sensorik-Steuerung einmalig ist. Zudem ist er mit nur 6.5 Kilogramm für einen E-Scooter ein Fliegengewicht und vermutlich das leichteste motorbetriebene Fahrzeug. Wegen der Hybrid-Funktion ist der Scooter überall einsetzbar. Je nach Situation kann der unterstützende Hilfsmotor zugeschaltet werden oder nicht. Es ist ähnlich wie beim Pedelec. Nur kann der HYbrid-Kick im Unterschied zum Pedelec in allen ÖV kostenlos mitgenommen und, sofern eine Steckdose vorhanden ist, erst noch kostenlos aufgeladen werden.
Wie schätzen Sie die Erfolgschancen des HYbrid-Kick in der Schweiz ein?
Wir stehen erst ganz am Anfang dieser mobilen Revolution. Städte wie Shanghai, Tel Aviv und New York haben die Notwendigkeit platzsparender Verkehrsmittel, die keine teuren Infrastrukturen oder Parkhäuser benötigen, bereits erkannt. In Europa haben wir mit Peugeot den richtigen Partner in der Automobilindustrie gefunden. Peugeot setzt unsere avantgardistische Vision nicht nur im Design um, sondern schafft auch Akzeptanz für die neuartige Mobilitätslösung. In jedem Kofferraum des Peugeot Exalt befindet sich ein HYbrid-Kick, der während der Autofahrt aufgeladen wird und dann auf Kurzstrecken innerhalb der Stadt genutzt werden kann. Selbstverständlich wird auch diese Idee trotz Patenten erneut kopiert werden, was uns dazu treiben wird, unser Produkt fortlaufend zu verbessern. Das Zeitalter der Mikromobilität hat erst begonnen….
Wim Ouboter, 54, verpasste dem «Trottinet» 1997 mit seiner Erfindung ein frisches Image. Seither leitet der Ex-Banker die Firma Micro Mobility Systems mit Sitz in Küsnacht/ZH mit 27 Mitarbeitern und entwickelt seine Vision von urbaner Mobilität stetig weiter. Die Marke micro® ist Weltmarktführer in der Herstellung von Scootern und kickboard® und ist in über 6’000 Geschäften in 80 Ländern erhältlich.