Frau Dr. Lenzlinger Diedenhofen, seit ein paar Jahren (15Jahre Gesamtleitung, davor 7 Jahre Bereichsleitung) leiten Sienun schon die Lenzlinger Söhne AG, ein traditionsreichesFamilienunternehmen, das es schon seit über 150 Jahren gibt. Wares schon immer klar, dass Sie die Geschäftsführung übernehmenwürden, und wie wurden Sie auf diese verantwortungsvolleAufgabe vorbereitet?

Nein es war gar nicht von Anfang an klar, dass ich diese Aufgabe übernehme. Ich habe viele verschiedene Jobs gehabt, teilweise auch im Ausland und auch während meiner Ausbildungen, die ich zuletzt mit einem Dr. oec. der Uni St. Gallen abschloss. Dann habe ich für einige Jahre eine Bereichsleitung innegehabt in der Firma.Wir haben uns zudem schon lange vorher in einem sogenannten Familienrat und im Verwaltungsrat über das weitere Vorgehen bzgl. der Leitung der Firma unterhalten, so dass ich mich gut vorbereiten konnte.

Ihr Unternehmen ist auf verschiedene Bereiche des Ausbau- undVeranstaltungsgewerbes spezialisiert. Womit machen Sie denmeisten Umsatz, gibt es einen Hauptgeschäftszweig?

Wir publizieren keine Zahlen. Der Boden mit allen diversenBodenbelägen von kleinen Flickarbeiten bis zu grossenÜberbauungen und vor allem die Doppelböden für Bürogebäude,die wir als einzige Hersteller in der Schweiz selber produzieren, istunser Schwerpunkt. Am meisten entwickelte sich jedoch in denletzten Jahrzehnten der Metallbau.

Welche Vor- (und vielleicht auch Nachteile) bringt die Arbeit ineinem Familienunternehmen mit sich? 

Wir sind alle ein bisschen wie eine richtige Familie und das hat natürlich grosse Vor- aber manchmal auch Nachteile. Da unsere Firma aber nicht ganz klein ist, helfen die notwendigen professionellen Strukturen, diese Nachteile zu überwinden. 

Auch Ihre Schwester, Annette Lenzlinger, arbeitet im Betrieb mit.Wie sieht die Aufgabenverteilung zwischen Ihnen beiden genauaus?

Meine Schwester ist Verwaltungsratspräsidentin und Rechtskonsulentin, während ich die operative Leitung innehabe.Die Aufgaben sind also klar getrennt.

Seit einigen Jahren haben Sie auch Niederlassungen in Wien und Shanghai.
Wie läuft das Geschäft im Ausland an, und sind auchweitere Expansionen geplant?

Seit der Schweizerfranken so erstarkt ist, ist das Geschäft schonschwieriger geworden. Wir haben aber ganz tolle Projekte undeine sehr gute Mannschaft vor Ort. Die Expansion in andere Märkteerfolgt von diesen Standorten.

Mit der Lenzlinger Söhne AG sind Sie Mitglied im FBN (Family Business Network Deutschschweiz).Welche Vorteile ergeben sich durch die Kooperation?

Wir sind schon sehr lange Mitglied beim FBN. Da kann man sichaustauschen zu Themen, welche spezifisch Familienunternehmenbetreffen. Das hilft sicher, ist aber jeweils entsprechend der Situation mehr oder weniger ein Bedürfnis.

Seit letzten Sommer sind Sie auch Präsidentin der ZürcherHandelskammer. Wie hat sich ihr Leben durch den neuen Postenverändert?  

Natürlich gibt es dadurch neue Aufgaben, aber auch viele neue sehr interessante Kontakte und Gespräche. Sicher kommt man dadurch zwangsläufig näher an wirtschaftspolitische Diskussionen, welche mich als Volkswirtin aber immer sehr interessiert haben.

Welche Aufgaben bringt das Präsidentenamt bei der ZHK mit sich?

Dies sind die üblichen Leitungsaufgaben in einer Organisation bzw. eines Verbandes. Da wir das schon lange bewährte Modell weiterpflegen, nämlich dass eher die Direktion (ebenfalls seit 140 Jahren neu durch eine Frau besetzt) im Vordergrund steht, sind aber die öffentlichen Auftritte, die es natürlich auch ab und zu bedingt, nicht so stark im Vordergrund.
 
Ihre Dissertation trägt den Titel «Wettbewerbsfähigkeit des schweizerischen Industriesektors». Zu welchen Ergebnissen sind Sie damals gekommen, und was hat sich seitdem verändert?

Diese Frage bedingt wohl allein eine grösser Abhandlung, die hier nicht gemacht werden kann. Es ging in dieser Arbeit einerseits um Modelle der Beurteilung eines Industriesektors. Dann um die Beurteilung, welche grundsätzlich als gut mit einigen Mängeln und einem wachsamen Auge beurteilt werden konnte. Dann ging es darum inwieweit staatliche Interventionen positiveoder negative Einflüsse haben. Man hat einige Erkenntnisse, welche aufgeführt waren auch umgesetzt, so zum Beispiel die Verbesserung der Stellung und der Ausrüstung der Fachhochschulen als wichtiges Bindeglied zwischen der Grundlagenforschung und der Entwicklung. Leider dreht momentan das Rad des staatlichen Interventionismusin eine sehr unangenehme Richtung. Ich bin sicher, dass man dies in den nächsten Jahrzehnten noch sehr bereuen wird.

Der Wirtschaftsstandort Zürich ist nach wie vor stabil, muss sich aber auch neuen Herausforderungen stellen. Wie schätzen Sie die Lage ein, und welche Aufgaben empfinden Sie als besonders dringlich?

Die grösste Herausforderung ist wohl, dass zu viele Leute dieStabilität des Züricher Standortes überschätzen.Wir leben zu viele von der Substanz und auf Pump. Sicher hat man an einigen Stellen geglaubt, dass Bäume in denHimmel wachsen, was Neider auf den Plan gerufen hat. Was nunaber mit Regulierungsversuchen auf allen Ebenen, die oft dieWirkung verfehlen, bewirkt wird, wird verkannt. Da wird «Geldausgegeben» in einer Dimension, die nur auf Unkenntnis basierenkann, dass es einem fürchtet. Einige Stichworte sind: Planungs-und Baugesetz, Pauschalbesteuerung, Steuerwettbewerb, ..)Damit verlieren wir mittel- bis langfristig stark an Boden, der dann nur mühsam wieder aufgeholt werden kann.

Die Kluft zwischen wirtschaftlichen und politischen Interessen wird immer grösser. Welche Gefahren lauern hier, vielleichtgerade auch im Hinblick auf die kürzlich beschlosseneEinwanderungsbegrenzung?

Die Gefahren sind wohl schon in der vorherigen Antwort angetönt. Von vielen Politikern wird überschätzt, was die Wirtschaft leistenkann und welche Eingriffe, Umverteilungsmechanismen und Regulierungen sich noch ohne deutlich negative Auswirkungenaufnehmen lassen.Allerdings haben wohl auch die Unternehmer und Managerteilweise deutlich Fehler gemacht. Man hat sich zu viel geleistetund einfach bedient. Zudem hat man vergessen, dass man sichauch mit der Politik befassen muss und ein gut funktionierendesSystem nicht einfach auf ewig gepachtet hat. Da muss man sichdann vielleicht auch etwas weniger wundern, wenn die Politikplötzlich in eine andere Richtung läuft.

Im Topmanagement weist die Schweiz – wie viele andere Länderauch – eine niedrige Frauenquote auf. Was kann man tun, um dies zu ändern?

Es gibt nicht viel anderes, als Alles zu tun, die Mädchen und Frauen von unten zu fördern, so dass eine breitere Auswahl für die Besetzung von oberen Positionen entsteht. Zusätzlich sollte man jedoch auch an allen einflussreichenPositionen den Mut haben und die Wachsamkeit, FrauenAufzufordern, verantwortungsvolle Positionen zu übernehmen.Frauen fehlt da manchmal noch das nötige Selbstvertrauen, wasnatürlich auch nicht gerade verwundert, wenn ihnen das halbe Leben vorgemacht wird, dass sie sehr gut sind, wenn es um das Thema «care» geht.

Wenn man sich Ihren Lebenslauf anschaut, bekommt man denEindruck, es mit einer Frau zu tun zu haben, die schon immergenau wusste, was sie will. Ist Ihre jetzige Tätigkeit Ihr Traumberuf, oder hatten Sie früher andere Karrierepläne?

Ja, ich habe sicher sehr viel Glück gehabt, dass ich so interessanteTätigkeiten machen durfte. Allerdings habe ich dazu auch etwasbeigetragen, zB. in dem ich mich immer wieder für Neuesinteressiert, schon immer sehr initiativ war und mich nicht scheutemich in diverse Themen einzuarbeiten.

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