Herr Inan, Sie haben 2009 zusammen mit Raffaella Iten Metzger das Modeschmuck-Label «Sal y Limon» gegründet und schreiben damit eine Erfolgsgeschichte. Eigentlich sind Sie in der Medien-Vermarktung tätig, die Mitbesitzerin ist Gesellschafterin einer Werbeagentur. Wie kam es da zur Geschäftsidee, Armreifen und -bänder zu entwerfen und zu vertreiben?

Ich wollte immer schon etwas anderes machen, als TV Sender zu vermarkten. In der Zeit zwischen 2007 und 2009 hatte ich eine kleine Boutique in der Storchengasse, an einer der besten Lagen von Zürich. Hier tauchte ich erstmals in die Welt der Mode ein, besuchte die grossen Modemessen in Paris, München, Mailand, Berlin und New York  – und entdeckte ein Gespür für Trends, das schliesslich die Produktidee «Armreife in vielen Farben» reifen liess. Besonders wichtig war mir dabei von Anfang an, ein Produkt zu schaffen, das in der ganzen Welt Anklang finden könnte, dabei jedoch gleichzeitig so einzigartig sein sollte, dass jeder einzelne etwas ganz Persönliches für sich finden würde.

2009 konnte ich meine langjährige Freundin Raffaella Iten Metzger dafür begeistern, gemeinsam diese Armreifen zu entwerfen und zu vertreiben. Raffaella ist als Head of Design für Farbwahl und alle Designs unserer Produkte verantwortlich. Aus einem spontanen und etwas wagemutigen Entschluss heraus gründeten wir die Firma Fashion Statements, die uns zu gleichen Teilen gehört, und brachten Sal y Limon (kurz: SYL) erfolgreich auf den Weg. Heute ist Sal y Limon eine international etablierte Marke, die stetig expandiert.
Das Sortiment weist eine grosse Bandbreite auf. Wodurch lässt sich «Sal y Limon» inspirieren?

Durch das viele Reisen auf der ganzen Welt kann ich gewisse Innovationen und Ideen für Material und Formen einbringen, aber das ganze Farbgespür und die Designs kreiert Raffaella aus ihrer persönlichen Intuition heraus, gekoppelt mit einem Sinn für aktuelle Trends, welche die Welt bewegen und bewegen werden, wie Zukunftsvisionen in allen Lebensbereichen. Selbstverständlich bietet auch die Recherche in anderen Zeitepochen immer wieder eine grosse Inspirationsquelle.
Farbig oder uni, breit oder schmal, bemalt oder verziert, Metall oder Leder – gibt es den typischen «Sal y Limon»-Stil?

Berühmt geworden sind wir sicherlich durch die typischen, handbemalten Emailreifen, welche durch ihre vielfältige Präsentation auf farbgetrennten Säulendisplays extrem augenfällig sind. Die Reifen sind alle untereinander kombinierbar und werden mehrere aufs Mal am Handgelenk getragen. Aber wir hören natürlich nicht dabei auf, sondern entwickeln uns immer weiter, indem wir die Produkte auch in neuen Materialien deklinieren und ganz neue Produkte lancieren.
Wie wichtig ist ein hoher Wiedererkennungswert?

Gerade wenn man einen neuen Brand richtig lancieren will, ist der Wiedererkennungswert ein enormer Keyfactor. Eben diesen Wiedererkennungswert haben wir von Anfang an sehr hochgehalten, indem wir uns in der Umsetzung aller Ideen immer treu geblieben sind und nur Dinge gemacht haben, welche konzeptionell im Einklang mit dem Rest waren. Ob die hochwertige Positionierung der Fotos der Armreifen oder der Auftritt am POS mit den typischen Displays: SYL hat einen hohen Wiedererkennungswert.
Wie können wir uns die Entwicklung einer neuen Kollektion vorstellen?

Wie mit allen kreativen Prozessen ist es wichtig, dass man sich die nötige Zeit nimmt und sich neue Produkte organisch entwickeln. SYL hat einen Markenkern, dem wir in jeder neuen Entwicklung treu bleiben wollen. Dadurch passt jede Innovation konzeptionell zu den andern Produkten, es entsteht eine SYL Markenwelt, deren klare Botschaft über alles hinweg «Choose Your Color» bleibt. Beispielsweise werden Designs der Armreifen auf den Smartphone Cases wiedererkannt, Email-Elemente werden neu mit Lederbändern kombiniert. Aber immer bleibt der SYL-Kern erkennbar und schafft dadurch ein in sich geschlossenes Konzept.
Und welches Zielpublikum sprechen Sie damit an?

Jüngere und jung gebliebene Frauen, welche ihren ganz individuellen Stil ausdrücken wollen und durch die unzähligen Kombinationen von Farben und Mustern sich jeden Tag neu erfinden können. Heute edel und puristisch, morgen im Hippie Chic. Der Style ist ihr eigener – Sal y Limon bietet nur die vielfältigen Instrumente dazu.
Auch Männer tragen heutzutage mehr Schmuck. Könnte auch eine Kollektion für Männer zum Thema werden?

Never say never, aber im Moment ist es kein Thema; wir fokussieren uns zu 100 Prozent auf die Frauen.
Und wie sieht es mit einer allfälligen Sortimentserweiterung aus?

Mit SYL haben wir etwas Einzigartiges geschaffen, Armreifen, die sehr einfach wiedererkennbar sind und immer sein werden. Die Bilder, aber auch die Präsentationen am POS sind einzigartig, wie es sie so als Fashion-Schmuck sonst nicht gibt. Daher haben wir dieses Jahr die neue Kollektion zusätzlich noch mit «THE ORIGINAL» gebrandet. Diese Konzentration auf ein Produkt ist sicherlich mit ein wichtiger Erfolgsfaktor.
Trotzdem ist es wichtig, als Marke auch neue Produkte zu entwickeln, damit wir die Kunden in den verschiedenen Märkten weiterhin von der Welt von Sal y Limon begeistern können. Ebenso wichtig ist, dass die Produkte untereinander innerhalb eines Konzepts und eines roten Fadens verbunden sind. Nach langer Entwicklungsphase haben wir kürzlich die erste Uhr unter dem Namen SYL WATCHES im Markt platziert.
Sal y Limon ist in kurzer Zeit sehr stark gewachsen. In den letzten Monaten haben Sie zahlreiche Verkaufsstellen in Dubai und Hongkong eröffnet. In wie vielen Ländern sind Ihre Produkte bereits erhältlich?

Im Moment sind wir in über 20 Ländern erhältlich, von denen einige ganz wichtige Märkte sind, wie z.B. Südostasien, der Mittlere Osten oder Russland und in welchen wir mit Distributoren zusammenarbeiten. In diesen Märkten haben wir sehr gute Möglichkeiten, in Top Department-Stores eigene Popup-Stores oder sogar Monobrand Stores zu eröffnen, was in Europa nicht immer so einfach ist, weil hier der Verdrängungskampf viel grösser ist als in Emerging Markets.
Welche weiteren Märkte haben Sie im Visier?

Wir verhandeln gerade mit Südkorea, Indonesien und der Türkei. In den USA sind wir diesen Frühling gestartet und erhoffen uns sehr viel davon. Aber wir wissen, dass es sich um einen sehr anspruchsvollen Markt handelt. Es wäre natürlich extrem cool, wenn wir dort bald einen Popup-Store dort eröffnen könnten. Traum jeder Marke ist doch ein Flagshipstore an der 5th Avenue in NYC…
Wie viele Armbänder und Armreifen verkaufen Sie aktuell?

Etwas mehr als eine halbe Million pro Jahr.
Ist der Aufbau eines Online-Shops ein Thema?

Wir haben lange gezögert und waren eher gegen die Onlineshopping-Form. Dies, weil unser Konzept von der Präsentation lebt. Hat man diese einmal gesehen, kann man die Augen kaum davon lassen. Aber wir haben in Deutschland diesen Frühling mit Christ.de einen ersten Versuch gemacht und haben grossen Erfolg. Daher hat Raffaella dieses Jahr auch ein neue, eigenständige Kollektion für Online entworfen, welche etwas anders als die herkömmliche ist, aber trotzdem voll als SYL wiedererkennbar ist. Und wir sind auch daran, einen eigenen Online-Shop aufzubereiten.
Produktepiraterie ist gerade in Asien ein grosses Thema. Ein Problem für Sal y Limon?

Es gibt hier zwei Aspekte zu beachten: 
1. Wenn man genau betrachtet, was die Produktepiraterie für Auswirkungen für eine Marke hat, dann kann das durchaus auch positive Aspekte haben, denn die Brand Awareness wird in den Märkten dadurch enorm angetrieben.

2. Dass Produkte kopiert werden, ist ja nichts Neues, oder wie viele Jeans-Marken kennen Sie?  Wichtig ist, dass man immer innovativ ist, rasch neue Ideen und Designs entwickelt, anders ist als die Masse und immer schon einen Schritt weiter ist, wenn die Kopie im Markt auftaucht. Dann braucht man sich vor diesem Thema nicht zu fürchten.