Die sinkende Rentabilität und ein gleichzeitig niedriger Vermögenszuwachs haben sich im vergangenen Jahr negativ auf den Geschäftsverlauf der Privatbanken in der Schweiz ausgewirkt. Die Zeiten, in denen Privatbanken über viele Jahre hinweg mit wenig Aufwand Geld verdienten sind definitiv vorbei. Der Standort Schweiz muss sich neu aufstellen. Im folgenden Beitrag präsentieren die wir Ergebnisse einer Studie von KPMG und der Universität St. Gallen (HSG). Daran anschliessend führten wir ein Interview mit einem KPMG Experten.

Der Druck auf die Privatbanken in der Schweiz bleibt weiterhin hoch, was die beschleunigte Konsolidierung – die im Jahr 2014 merklich eingesetzt hat – weiter vorantreiben wird. Die Banken müssen sich die Frage stellen, ob die Zeit reif ist für eine nachhaltige Anpassung des Geschäftsmodells oder ob sie aus dem Schweizer Private Banking-Markt aussteigen wollen. Die Privatbanken müssen zudem ihre Kostenbasis senken und trotz schwierigen Bedingungen und stagnierenden verwalteten Vermögen versuchen, ihre Wachstumschancen zu nutzen. In der – gemeinsam von KPMG und der Universität St. Gallen (HSG) erstellten – Studie «Performance of Swiss Private Banks» wurden die Geschäftsberichte von 94 Schweizer Privatbanken analysiert und deren finanzielle Performance zwischen 2006 und 2013 beurteilt.

Ein Drittel macht Verlust
Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass im letzten Geschäftsjahr mehr als ein Drittel der Schweizer Privatbanken Verluste verzeichnete, während es im Jahr 2012 noch rund ein Fünftel war. Zudem weisen 59 der 94 analysierten Banken 2013 eine weiterhin rückläufige Entwicklung auf oder haben es lediglich geschafft, ihre rückläufige Entwicklung zu stabilisieren.

Oft rückläufiger Eigenkapitalrendite
36 Prozent der Privatbanken verzeichnen einen kontinuierlichen Rückgang, mit durchschnittlichen Eigenkapitalrenditen von 4.5 Prozent im Zeitraum 2006 bis 2013. Die meisten dieser Banken verzeichneten im Jahr 2013 negative Eigenkapitalrenditen. Weitere 28 Prozent der Privatbanken mussten ebenso einen Rückgang der Eigenkapitalrendite hinnehmen, schafften es jedoch, diese während der letzten vier Jahre bei rund vier Prozent zu stabilisieren. Es gibt aber auch Banken, welche ein grösseres Potenzial aufweisen. 16 Prozent der Privatbanken zeigen während des gesamten Zeitraums nach der Finanzkrise eine starke Performance mit einer durchschnittlichen Eigenkapitalrendite von 14.9 Prozent. Die restlichen 20 Prozent der Banken konnten den Turnaround mit niedrigen, aber besser werdenden Renditen abschliessen.

Abflüsse bei kleinen Akteuren
Die verwalteten Vermögen blieben in den letzten sechs Jahren relativ stabil. Dahinter verbirgt sich allerdings eine sehr unterschiedliche Performance der einzelnen Privatbanken. 54 Prozent der kleinen Banken und 50 Prozent der mittleren Banken litten im Geschäftsjahr 2013 unter Nettoabflüssen bei den verwalteten Vermögen. Das Netto-Neugeld (NNM) aller analysierten Bank lag im letzten Jahr bei lediglich CHF 18.6 Milliarden. Die überwiegende Mehrheit dieser positiven Netto-Neugelder floss den grossen Banken zu.

US-Steuerprogramm drückt
Die Rückstellungen für das US-Steuerprogramm beliefen sich Ende 2013 gesamthaft auf CHF 0.9 Milliarden. In den Geschäftsabschlüssen 2013 haben 21 Privatbanken der analysierten 94 Banken Rückstellungen für mögliche Bussen und Beraterkosten gemacht, weitere 11 Privatbanken haben lediglich Rückstellungen für Beratungskosten gebildet. Die Analyse zeigt, dass die verbleibenden zwei Drittel der Banken nur sehr wenige oder keine Rückstellungen gebildet haben. Kurzfristig ist deshalb mit einer weiteren Erhöhung der Rückstellungen und Aufwendungen zu rechnen.

Personalkosten bleiben hoch
Die durchschnittlichen Personalkosten pro Mitarbeiter sind in den letzten Jahren stabil bei rund CHF 213’000 geblieben und legten bei grossen Banken sogar weiter zu. Obwohl die Personalkosten etwa zwei Drittel der typischen Kostenbasis einer Privatbank ausmachen, gibt es kaum Anzeichen für eine Reduktion dieser Kosten. Die Möglichkeit zur Steigerung der Profitabilität wird dadurch stark eingeschränkt.

Konsolidierung beschleunigt sich
Mitte 2014 wurde ein signifikanter Anstieg an M&A-Aktivitäten (Mergers & Acquisitions Geschäfte) beobachtet. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres wurden in neun M&A-Transaktionen im Private Banking rund CHF 125 Milliarden an verwalteten Vermögen verkauft. Während die Anzahl Transaktionen noch leicht unter dem Gesamtjahr 2013 (12 Transaktionen) liegt, wurden bereits fünfmal mehr verwaltete Vermögen durch M&A- Transaktionen verkauft. Die M&A-Aktivitäten dürften weiter zunehmen, da Aktionäre von Privatbanken sich vermehrt die Frage stellen, ob sie weiter in ihre unprofitablen Banken investieren möchten. Auch zu erwartende Klarheit über die Bussen im US-Steuerprogramm dürfte zu einer Zunahme der Transaktionen im zweiten Halbjahr führen.

Marktanteil grosser Banken wächst rasant
Aufgrund einer Mischung aus organischem Wachstum und M&A-Transaktionen ist der Marktanteil der grossen Banken (verwaltete Vermögen über CHF 25 Milliarden) im Jahr 2013 im Vergleich zum Jahr 2006 um ein Drittel gestiegen. Ihr Marktanteil an den verwalteten Vermögen liegt aktuell bei 78 Prozent. Auf die 58 kleinen Banken (verwaltete Vermögen unter CHF 5 Milliarden) entfallen jedoch weniger als acht Prozent der verwalteten Vermögen. Das sind klare Zeichen. Im folgenden Interview nehmen wir eine Bewertung vor.