Martin Omlin plant und baut rund 100 Heizungsanlagen pro Jahr und leitet zusammen mit seiner Frau Cornelia die Unternehmung Omlin Energiesysteme AG mit rund 15 Mitarbeitenden. Er bestreitet Marathonläufe und Triathlons und schaufelt seit Kurzem auch wieder Zeit frei zum Mitwirken als Tambour an der Basler Fasnacht. 

Die Firma Omlin Energiesysteme AG ist spezialisiert auf hocheffiziente Öl- und Gasheizungen, hochwertige Fernwärmeheizungssysteme in den verschiedensten Zusammensetzungen, rein mit Naturwärme betriebene Wärmepumpen aller Arten und thermische Solaranlagen, die in ihrer Art und Weise kaum zu übertreffen sind. Dabei versteht sich das Birsfelder Unternehmen nicht als Installationsfirma, die einfach handelsübliche Anlagen einbaut, sondern als nachhaltiger Anlagebauer mit analytischem und innovativem Hintergrund. Ein Beispiel ist die Eisspeicherheizung ohne konventionelle Heizungsunterstützung, welche die Unternehmung Omlin Energiesysteme AG geplant und gebaut hat und als Referenzobjekt für den deutschen Heizungshersteller Viessmann sowie als Forschungsprojekt für die Fachhochschule Nordwestschweiz dient.

In der Öffentlichkeit wird Martin Omlin aber nicht nur als erfolgreicher Unternehmer wahrgenommen, sondern vor allem auch als scharf denkender und reflektierender Energiefachmann – sowie als innovativer Heizungsprofi, der mit profilierten Meinungen in zahlreichen Fachartikeln, Kolumnen und Publikationen mit seinen Meinungen nicht hinter dem Berg hält.

Dabei lässt sich Martin Omlin nicht in eine Schablone pressen, sondern postuliert in Zeiten der sogenannten Energiewende pragmatische und nicht auf Ideologien basierende Lösungsansätze. Unverblümt kritisiert er Politiker, denen er mangelndes Fachwissen in Energiefragen und ­Opportunismus nachweist. Er macht Behörden auf fehlende Kontrollmechanismen oder unsachgemässe Auflagen – wie zum Beispiel den Solardach-Zwang im Kanton Basel-Stadt – aufmerksam und verschont auch die eigene Branche nicht mit kritischen Anmerkungen. Nachhaltigkeit versteht er nicht als Marktsegment, sondern als grundsätzliche Verpflichtung eines Fachbetriebs.

Im Interview mit dem Geschäftsführer gibt Martin Omlin nicht nur das Bild des ständig nach neuen, nachhaltigen und qualitativ hoch stehenden Lösungen suchenden Fachmannes und Unternehmers ab, der sich nie mit dem Erreichten zufriedengibt, sondern auch des streitbaren Experten, der sich nicht scheut, Ross und Reiter beim Namen zu nennen.

Herr Omlin, würden Sie sich als Querdenker bezeichnen?

Martin Omlin: Ich wehre mich gegen eine unheilige Allianz von ideologisch geprägten, sogenannten Energieexperten in Politik und Verwaltung oder von auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Unternehmen, die den Begriff Nachhaltigkeit nach ihrem eigenen Gusto interpretieren. Das heisst aber noch lange nicht, dass ich ein Exot bin. In meiner Arbeit und meinem Streben geht es vor allem darum, unserer Kundschaft bedürfnisgerechte und tatsächlich nachhaltige Lösungen anzubieten. Dies in allen Energiebereichen zu erreichen, erfordert eine erhöhte Fachkompetenz. Darum bieten wir nach wie vor auch hocheffiziente Ölheizungen an, die einer Wärmepumpe in nichts nachstehen. Unsere Devise heisst, lieber konventionell hocheffizient den Bedürfnissen zu entsprechen, als alternativ völlig danebenzugreifen.

Dies alles erreicht man nicht mit plakativen Sprüchen, sondern nur mit einem breiten Fachwissen und mit gesundem Menschenverstand. Daran fehlt es – ich muss es so klar ausdrücken – vielen Politikern, die vor allem als Interessenvertreter fungieren. Leider hinkt auch unser Branchenverband dem Begriff Nachhaltigkeit hinterher und setzt sich nicht für die dringend notwendigen Rahmenbedingungen ein, um wirklich nachhaltig an breiter Front zu wirken. Dass es in unserer Branche an breitem, alternativem Fachwissen fehlt, ist eine harte Tatsache mit weitereilend negativen Folgen. Beispielsweise haben wir eine Stelle als Heizungsplaner/in seit Monaten offen, ohne diese mit einer entsprechend ausgewiesenen Fachkraft besetzen zu können. Nicht ohne Grund gehen bei uns im Büro vermehrt um 2 Uhr morgens die Lichter an. Um Ressourcen sparen zu können, müssen Ressourcen freigesetzt werden – und an denen fehlt es an allen Ecken und Enden. 

Was spricht gegen den Solardach-Zwang im Kanton Basel-Stadt?

Seit vier Jahren schreibt das Energiegesetz Basel-Stadt vor, dass bei der Sanierung von Heizungsanlagen mit konventionellen Energieträgern wie Gas oder Öl das Warmwasser zu 50 % mit alternativer Energie aufgeheizt werden muss. Falls eine Solaranlage als Alternativvariante nicht möglich ist, wird ein Fernwärmeanschluss verlangt, sofern sich das Haus im Versorgungsgebiet der Fernwärme Basel-Stadt befindet. Als krassen Gegensatz zu diesem harten Gesetz darf man einen Aussenpool in Basel-Stadt, Riehen oder Bettingen mit Holz beheizen! 

Der Kanton kennt leider keine Kontrollen darüber, ob sich die vorschriftsgemässen Solaranlagen nachhaltig in Betrieb befinden. Dies führt dazu, dass die Energiebilanz vieler Solaranlagen negativ ausfällt, ohne dass dies jemand bemerkt. Das kann doch nicht das Ziel des Ge­setzes sein! Generell prangern wir an, dass man im Gegensatz zu konventionellen Energiesystemen für alternative Anlagen keine Kontrollpflicht kennt. Stellen Sie sich einen Fahrradzwang in Basel-Stadt ohne Ver­kehrspolizei vor. So geht es nun wirklich nicht – und mit Nachhaltigkeit hat dies schon gar nichts zu tun!

Weshalb hinterfragen Sie die Nachhaltigkeit der Fernwärme im Kanton Basel-Stadt? 

Die Fernwärme wird erst durch den Verbrennungsanteil des städtischen Abfalls zum alternativen Energieträger. Je mehr Abfall die Stadt produziert, desto positiver fallen die Energiebilanz und somit der CO2-Ausstoss der Fernwärme Basel-Stadt aus – die CO2-intensive Verbrennung wird ganz einfach in Abzug gebracht. Aufgrund des Energiegesetzes Basel-Stadt explodiert zudem der Bedarf an Fernwärmeheizungen ungerechtfertigt – das Fernwärmenetz muss so stetig ausgebaut werden, was hohe Kosten zur Folge hat. Als negative Folge dieses Zusatzbedarfs müssen wir immer mehr Abfall produzieren, um so eine positive CO2-Bilanz zu erhalten. Das ist ein Grundziel des aktuellen Energiegesetzes.

Die Fernwärme ist also kein ökologischer Volltreffer?

Die Fernwärme Basel-Stadt verbietet aus technischen Gründen, eine thermische Solaranlage einzubinden, obwohl dies möglich und sinnvoll wäre. So ist das Fernwärmenetz Basel-Stadt im Sommer nur in Betrieb, um flächendeckend Warmwasser aufzubereiten. Das macht die Fernwärme zur teuersten Energie. Und sie ist keinesfalls ökologisch grün. Deswegen können die Hauseigentümer die Kosten einer Umstellung auf Fernwärme auch nicht als Zusatzinvestition verrechnen. Im Gegensatz zur Fernwärme reduziert sich beim Einbau einer Gas- oder Ölheizung mit einer einwandfrei funktionierenden thermischen Solaranlage die Energiebilanz der Liegenschaft. Und die Zusatzinvestition für die thermische Solaranlage darf den Mietern nach einem festen Zinssatz anteilmässig verrechnet werden. Dieser Gegensatz ist für mich unverständlich und absurd!

Warum kritisieren Sie das Energiesparpaket Baselland?

Hauptsächlich geht es um die Dominanz der beiden Energieversorger EBM und EBL und ihre Rolle im Energiesparpaket Baselland. Zudem stellt die EBL nicht nur Energie her. Sie baut auch neue Energiesysteme u. a. in bestehenden Bauten ein und konkurrenziert damit den freien Wettbewerb. Und am Ende versorgt die EBL die von ihr gebauten ­Heizungssysteme u. a. mit eigener Energie. Beide Energieversorger kommen als Partner des Energiesparpakets zu vom Kanton mitfinanzierten Beratungsmandaten und können so beim Einbau von Heizungs- oder Solarsystemen direkt Einfluss auf den freien Wettbewerb nehmen. Besonders stossend ist, dass der Einbau neuer Wärmepumpenanlagen ohne öffentliche Kontrolle erfolgt, so wie man dies bei Öl- oder Gasheizungen kennt. Wo keine Kontrollen bestehen, fehlen dringend erforderliche rechtliche Beweismittel – zum Beispiel wenn eine alternative Wärmepumpenanlage ihrem Anspruch der Nachhaltigkeit nicht gerecht wird und trotz eisiger Kälte im Haus zum Energiefresser wird. Ich frage mich ernsthaft, wie lange es noch dauert, bis die Kaminfegermeister die Lücke im Kontrollsystem erkennen und füllen. Der Kaminfegermeisterverband ist ein flächendeckendes Kontrollsystem, das hier eine wichtige Rolle spielen sollte. 

Was ist nun die richtige Lösung für mein Haus?

Die richtige Lösung muss jedes Mal nach Gebäudetyp und individuellen Bedürfnissen genau evaluiert werden. Bedürfnisgerecht heisst, dass wir bei der Planung einer Anlage nicht ideologisch, sondern mit gesundem Menschenverstand vorgehen und die individuellen Bedürfnisse an eine Heizung berücksichtigen. Deshalb lautet unser Firmencredo: lieber eine richtig gebaute und dimensionierte konventionelle Heizung als eine falsch gebaute Alternativanlage!

An welchen aktuellen Projekten arbeiten Sie gerade? 

Aktuell sind von uns mehrere grössere thermische Solaranlagen in ­Betrieb, die sich aus den technisch neuesten Errungenschaften zusammensetzen und von uns gemessen und ausgewertet werden. Schon zu Beginn des solaren Booms stellten wir mit unseren Messungen fest, dass die Reichweite des solaren Nutzens über 24 Stunden ein wichtiger Faktor ist. Diesem muss man unbedingt Rechnung tragen, wenn man das Ziel der Nachhaltigkeit erreichen will. Doch leider ist es eine Tatsache, dass die meisten thermischen Solaranlagen nur knapp zur Deckung der Stand-by-Verluste ausreichen. Mit unseren professionalisierten sanitärseitigen Rückkühlungssystemen reduzieren wir den Stand-by-Verlust eines Systems zur Warmwasserbereitung auch in grösseren Liegenschaften auf ein absolutes Minimum. So kann man sich über Warmwasser freuen, das wirklich mit Sonne erwärmt wurde! Wir arbeiten zudem an Systemlösungen, die es im Sommer auch in grösseren Liegenschaften ermöglichen, den Gas- oder Ölbrenner zur Warmwasserbereitung auszuschalten. Hierzu setzen wir Ladesysteme ein, die zur Bereitstellung von Warmwasser mit Naturwärme geeignet sind. Sehr wichtig für den effizienten Betrieb von mit Naturwärme betriebenen Solarsystemen ist also die Produktionsdauer ohne Berücksichtigung konventioneller Energieträger. Je rascher Warmwasser zur Verfügung gestellt werden muss, desto geringer fällt der solare Nutzen aus. Dass der Kanton Basel-Stadt lediglich die Einhaltung einer Kollektorenfläche mit Bezug auf die Wohnfläche fordert, ohne andere wichtige Faktoren einzubeziehen, löst bei mir als Fachmann nur noch heftiges Kopfschütteln aus.

Omlin Energiesysteme – Heizen mit Leidenschaft, heisst Ihr Slogan. Warum mit Leidenschaft?

Mit unserem Mehrwissen gehen wir eigene Wege. Wir setzen uns für einwandfrei funktionierende und nachhaltige Energie- und Heizungssysteme ein. An unseren Heizungssystemen hat man ganz einfach Freude. Dass wir uns abheben und mit den Marktbegleitern ganz einfach nicht mehr vergleichbar sind, bedeutet «Freund»- und «Leiden»-schaft in einem. Freundschaft, wenn dieser Mehrwert erkannt wird und man sich am Ende gemeinsam an einer neuen Heizungsanlage erfreuen kann. So entstehen wirklich rasch Freundschaften. Leidenschaft, wenn man diesen Mehrwert nicht zu schätzen weiss und wir für die Heizungssanierung dann nicht den Zuschlag bekommen. Grundsätzlich betrachten wir es als ausgewiesener Fachbetrieb als unsere Pflicht, mit unserem Mehrwissen Räume zu schaffen, um diese mit technisch nachhaltigen Systemen auszustatten. Wir bieten alles aus einer Hand an, um das Ziel der Nachhaltigkeit zu 100 % zu erreichen. Ein lohnenswerter Weg, der uns täglich Freude bereitet – in Zusammenarbeit mit einer Kundschaft, für die unsere Arbeit mehr wert, also ein echter Mehrwert ist!