Für den Schweizer Solarpreis wurden 2015 insgesamt 86 Solarprojekte in den Kategorien Neubauten, Bausanierungen, Energieanlagen, Personen und Institutionen eingereicht. Auffallend ist, dass fast 50 Prozent der 32 eingereichten Gebäude-Bewerbungen PlusEnergieBauten®  (PEB) sind. Dieses Niveau an Effizienz ist im Vergleich zu den vorherigen Jahren neu. Auch wer sich die sanierten Alt- oder Ersatzbauten anschaut, ist positiv überrascht. PEB erzeugen mehr Energie, als sie im Jahresdurchschnitt verbrauchen. Die Solarstromüberschüsse können allgemein ins öffentliche Netz eingespeist oder zum CO2-freien Antrieb von Elektrofahrzeugen eingesetzt werden.

Durchdachte Modernisierung
Das massiv gebaute Einfamilienhaus (EFH) der Familie Rey in Malters LU aus dem Jahre 1937 weist ein geschicktes Grundrisskonzept auf, das eine sinnvolle energetische Sanierung ermöglichte. Durch die Energiesanierung sank der Gesamtenergiebedarf um gut 80 Prozent von 49’200 kWh / a auf 9 600 kWh/a. Auch diese Sanierung erbringt damit den Beweis, wie einfach es ist, die rund 80 Prozent Energieverluste eines typischen Schweizer EFH zu eliminieren. Die aus monokristallinen Solarzellen bestehende, dachbündige und fast ganzflächig integrierte 7.6 kW starke PV-Anlage erzeugt rund 7 350 kWh / a und deckt 76 Prozent des Gesamtenergiebedarfs. Auch optisch wurde das Gebäude ganzheitlich modernisiert, und die Fassade des Gebäudes ist kaum wiederzuerkennen. Durch die flächenbündigen Schiebeläden und die Erweiterung der Fensterflächen an der Fassade und auf dem Dach profitiert die Familie Rey zudem von mehr Tageslicht. Die Verstärkung der Dämmschicht, die Erneuerung der Fenster, die Erdwärmepumpe, der Zentralstaubsauger und die kontrollierte Wohnraumlüftung sorgen für eine erhöhte Wohnqualität und reduzieren gleichzeitig die Umweltbelastung deutlich. Die 45 m2 grosse, nicht ganzflächige, aber dach- und firstbündige PV-Anlage verbessert das energetische Konzept des EFH erheblich und passt gut zur Holzverkleidung der gesamten Gebäudehülle. Das energetisch sanierte Einfamilienhaus ist eine architektonisch und gebäudetechnisch durchdachte Modernisierung und erhält dafür den Schweizer Solarpreis 2015.

Sinnvoller Ersatzneubau
Die Familie Kaiser erstellte in Unterengstringen ZH anstelle des 50-jährigen Einfamilienhauses ein PlusEnergie-Mehrfamilienhaus. Dank energieeffizienter Gebäudehülle mit optimaler Minergie-P-Dämmung und modernen Haushaltsgeräten weist der Ersatzneubau einen Gesamtenergiebedarf von 19’900 kWh / a auf. Das solarbetriebene Energiesystem generiert Wärme aus einer Erdsonden-Wärmepumpe und versorgt alle drei Wohnungen separat mit frischer Luft. Die gut integrierte, seitenbündige, 29.9 kW starke PV-Flachdachanlage erzeugt 29’100 kWh/a und deckt damit 147 Prozent des Eigenenergiebedarfs.

Die Lärmbelastung des Flughafens erfordert einen besonderen Schallschutz. Zwischen der PV-Anlage und der obersten Geschossdecke besteht eine Luftschicht, die gleichzeitig auch als sommerlicher Wärmeschutz dient. Die Erdsonden nutzen mit der solarbetriebenen Wärmepumpe die geothermische Wärme für das Brauchwasser und die Heizung. Das effiziente, auf Strom basierende Energiekonzept liefert zur hundertprozentigen Eigen-energieversorgung noch 9 200 kWh / a Solarstromüberschüsse ans öffentliche Netz, welches als virtueller Speicher dient. Der betonierte Keller und der darüberliegende Holzbau sind überwiegend mit lokalen Ressourcen gebaut. Der Schwimmteich im Garten wird biologisch geklärt. Dafür erhält die Familie Kaiser den PlusEnergieBau-Solarpreis 2015.

Mehrzweckgebäude als Pilotprojekt

Das ehemalige Areal «Gundeldinger Feld» der Maschinenfabrik Sulzer und Burckhardt AG in Basel entwickelte sich in den letzten 15 Jahren vom Industriebetrieb zu einem Kulturort. Das Gebäude, in welchem früher die Heizzentrale und das Kohlesilo der Maschinenfabrik untergebracht waren, stellt das letzte umgenutzte Volumen auf dem Gundeldinger Areal dar. Dabei achteten die Verantwortlichen besonders auf die Wiederverwertung von Bauteilen und Materialien.

Auf dem Dach sowie an der Süd- und Nordfassade wurden grüne, goldfarbene, orange, blaue und graue PV-Module mit monokristallinen Solarzellen sowie einige Standardmodule in Schwarz eingesetzt. Die 159 m2 grosse Anlage ist ganzflächig integriert und erzeugt jährlich 16’400 kWh Solarstrom. Damit deckt sie rund 37 Prozent des Gesamtenergiebedarfs des Gebäudes von 44’400 kWh / a. Das Mehrzweckgebäude ist an eine Fernwärmeversorgung angeschlossen. Die mehrfarbig verglasten, monokristallinen Solarzellen auf dem Dach sowie an der Fassade bilden eine interessante Neuerung für die Solarbranche. Sie eröffnen die Möglichkeit, ganze Überbauungen, Quartiere und Industrie-Areale mit Solarfassaden und Solardächern attraktiver zu gestalten. Um den Eigenverbrauch des Stroms im Areal zu optimieren, wird ein «Second-Life-Batteriespeicher» aus gebrauchten Lithium-Ionen-Batterien der Elektromobilität installiert. Das Gebäude, welches den alten Namen «Kohlesilo» behielt, wird als Pilotprojekt vom Amt für Umwelt und Energie des Kantons Basel Stadt und vom Bundesamt für Energie gefördert und von der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) begleitet. Ein Monitoring erfasst die Leistungsdaten jedes PV-Moduls. Die Messungen dienen der Optimierung der 24 kW starken PV-Anlage und zur Untersuchung der Auswirkungen der verschiedenen Farben auf die PV-Leistung.

Der Umgang mit der bestehenden Bausubstanz, die gestalterische Qualität der Solaranlagen, die Einbettung des Energiekonzepts in ein ganzes Areal und die Überprüfung der energetischen Qualität im Betrieb rechtfertigen den Schweizer Solarpreis 2015 für das «Kohlesilo» in Basel.