Neulich war ich mal wieder in der Buchhandlung in der Abteilung für Führungs- und Managementliteratur. Angesichts der Fülle von neuen Werken, die sich seit meinem letzten Besuch angesammelt haben, fragte ich mich: Wer behält bei diesem enormen und ständig wachsenden Angebot an Ratgebern noch den Überblick – und wie bleibe ich als Führungskraft à jour?  

Mit meinen gerade mal 30 Lenzen schätze ich die Ratschläge gestandener Manager und Führungskräfte sehr. Aufgrund meiner mehrjährigen Führungserfahrungen mit mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bin ich jedoch zur Erkenntnis gelangt, dass viele Methoden und Management-by-Techniken zwar ein wichtiges Handwerkszeug bieten, das Geheimnis zum Erfolg aber im Geführten, seinen ganz persönlichen Wünschen, Bedürfnissen und Träumen liegt. Als Führungskraft muss ich jede Persönlichkeit und deren Bedürfnisse und Träume verstehen – und helfen, dass diese in Erfüllung gehen.

Dafür nehme ich mir Zeit – viele, viele Stunden –, auch spät an Abenden oder Wochenenden. Nur durch eine vertiefte Auseinandersetzung kann ich die Menschen verstehen, sie zu nachhaltigem Erfolg und zum persönlichen Glück führen. Glück? Hat das im Berufsleben überhaupt etwas verloren? Geht es hier nicht um das Funktionieren und das Erreichen von Zielen?

Fast alle Mitglieder meines Teams stammen aus der Generation Y oder gar Z, von denen immer wieder gesagt wird, dass sie so schwer zu führen seien. Sie seien Einzelgänger und Egoisten, eigentlich unberechenbar und wenig loyal. Ich persönlich habe komplett gegensätzliche Erfahrungen gemacht. Diese jungen Menschen sind hungrig und dankbar für Chancen, die man ihnen bietet. Mit grossem Einsatz verfolgen sie Ziele. Ihre Energie, gepaart mit Enthusiasmus und Leidenschaft, ist die Basis für grosse Erfolge. Wer ihnen den Freiraum gibt, sich ihre Zeit frei einzuteilen, der bekommt sehr viel zurück. Erstaunlicherweise ist Burnout bei uns trotz vieler Überstunden und Arbeiten am Wochenende überhaupt kein Thema.

Für eine Führungskraft liegt der Schlüssel zum Erfolg also darin, die Menschen, die man führt und für die man Verantwortung trägt, zu ihrem eigenen Glück zu verhelfen. Wer Menschen unternehmerische Freiheit, Eigenverantwortung zugesteht und ihnen vertraut, der wird mit wirtschaftlichem Erfolg belohnt. Die Bedingung dafür ist aber, dass man die Menschen mag. Ohne Herz – so ist meine Devise – kann man nicht erfolgreich führen.

Wenn ich als Führungskraft Menschen zum Glück führen will, muss ich selber glücklich sein. Mit welcher Technik bin ich zu meinem persönlichen Glück vorgestossen? Ich habe mir überlegt, welche fünf Personen mich am meisten geprägt haben. Welche Glaubenssätze haben sie mir mit auf den Weg gegeben? Was wären meine Glaubenssätze und Überzeugungen ohne den Einfluss dieser Personen? Welche Menschen haben mein Leben und damit mein Glück positiv beeinflusst – und welche eben nicht? Dann fragte ich mich «Wo stehe ich heute?» und «Wo will ich wirklich hin?» Ich fand also zu meinem Glück, indem ich herausfand, was ich – ohne Einfluss und die Prägungen durch andere Menschen – wirklich will. Dann habe ich mein berufliches und privates Umfeld verändert, bin neue Wege gegangen und habe alte Gewohnheiten und Muster, die mich von meinem Glück ferngehalten haben, verlassen. In meinem Leben geht es mir nicht mehr darum, die Erwartungen anderer zu erfüllen, sondern mich selbst glücklich zu machen. Und das Glücklichsein ist ansteckend – wenn du glücklich bist, sind es auch die Menschen um dich herum.

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