Den Boulevard Carl-Vogt kennt in Genf jeder. In unmittelbarer Nähe dieser kilometerlangen Verkehrsader befindet sich der RTS-Fernsehturm mit den Studios des Westschweizer Fernsehens. Viele Westschweizer kennen den Boulevard auch, weil dort vor zweieinhalb Jahren das neue Musée Ethnographique de Genève (MEG) eingeweiht wurde, direkt gegenüber dem Uni-Vogt-Gebäude. 

Das neue Uni-Hauptgebäude im Quartier Jonction – ein Entwurf der Genfer Architekten C. Stendardo und Montant des Archi­tekturbüros 3BM3 – befindet sich in unmittelbarer Nähe des RTS-Hochhauses. Blickt man vom Boulevard in Richtung der Verkehrsachse, sieht man nur ein einziges aufstrebendes Gebäude. Aus der Nähe erkennt man aber zwei getrennte Eingänge, denn der Bau besteht aus zwei Baukörpern. 

Nach Fertigstellung des Gebäudes beschloss die Bauherrin RTS, nur einen der beiden Teile zu nutzen. Dieser beherbergt nun die 230 Mitarbeitenden im «Sportzentrum» des Senders. Der zweite Teil des Gebäudes wurde von der Universität Genf erworben, die zusätzliche Seminarräume und Büroflächen für ihre Mitarbeitenden in Lehre und Forschung suchte. Die Uni Vogt ist das einzige Gebäude im Besitz der Universität; ihre übrigen Standorte gehören dem Kanton Genf. 

Globales Umweltkonzept 
Die Universität hat sich in nur wenigen Jahrzehnten enorm entwickelt. Während die Studierenden früher ausschliesslich Seminare ihrer jeweiligen Fakultät besuchten, ist die Lehre heute multidiszi­plinär organisiert. Das bedeutet, dass die Studierenden im Rahmen ihrer Bachelor-, Master- oder Doktorats-Studiengänge Seminare belegen, die von verschiedenen Fakultäten angeboten werden. An der Uni Carl Vogt arbeiten daher Studierende und Forscher aus Natur-, Geistes- und Sozial­wissenschaften zusammen, die sich mit Fragen der Umwelt beschäftigen. 

Das am 18. Juni 2015 für den Bereich Umweltwissenschaften in Betrieb genommene «Uni-Vogt-Umweltgebäude» entspricht somit exakt dem neuen Lehrkonzept der ­Universität. Die angebotenen Seminare decken unterschiedlichste Themenbe­reiche ab, unter anderem Biodiversität, Klima, Wasser, Energie, Stadt- und Raum­entwicklung; das Programm umfasst elf umweltwissenschaftliche Studiengänge und Abschlüsse. «Der Fachbereich Umweltwissenschaften der Universität Genf verdankt sein internationales Renommee auch den optimalen Rahmenbedingungen, die dieses Gebäude ihm bietet», erklärt Jean-Dominique Vassalli, der ehemalige Rektor und Projektverantwortliche. 

Fast 200 Personen studieren und arbeiten in den sieben Stockwerken des neuen Uni-Vogt-Gebäudes, wo fünf der neun Fachbereiche der Universität vertreten sind. Mehrere renommierte Professoren lehren und forschen hier, allen voran ­Martin Beniston: Er ist ein weltweit anerkannter Klimaforscher und Direktor des Instituts für Umweltwissenschaften (ISE). Im Jahr 2007 wurde er zusammen mit anderen Klima­forschern des Intergovernmental Panel of Climate Change (IPCC) für seine Analyse des weltweiten Klimawandels mit dem ­Friedensnobelpreis ausgezeichnet. 

Verspiegelte Fassade
Das vom Architekturbüro 3BM3 konzipierte Gebäude ist einzigartig: Seine Fassade lebt vom Spiel der mittels Siebdruckverfahren gepixelten Spiegelflächen, die nachts Millionen winziger Lichtpunkte reflektieren und dem Gebäude eine futuristische Wirkung verleihen. Der Eingang besteht aus zwei Bereichen, von denen einer für Wechselausstellungen genutzt wird. Ziel ist, das Lehrgebäude auch für kulturelle Aktivitäten zu öffnen, um so eine Verbindung zwischen der Universität und den kulturellen oder kommunalen Institutionen des Quartiers zu schaffen. 

Zwei moderne, rundum verglaste Aufzüge von AS bringen die Besucher rasch in die gewünschte Etage und in wenigen Sekunden bis ins siebte Stockwerk. Auf einer Seite ragt der RTS-Turm auf mit seinen Antennen für die Übertragung der Radio- und Fernsehprogramme. Durch die gläsernen Wände der Aufzüge fällt der Blick auf die komplexe Aufzugstechnik. Grüne oder rote Lichter leuchten auf, während die Aufzüge die einzelnen Stockwerke ­ansteuern. Den leichten Schwindel, der vielleicht den einen oder anderen Fahrgast ergreift, macht der fantastische Blick über die Genfer Altstadt und auf die Kathedrale Saint-Pierre im Osten sowie den Salève im Süden schnell vergessen. 

Lichtspiele im Schacht 
Ein Lichtschacht, der sich bis hinunter zur Innenterrasse auf der ersten Etage erstreckt, versorgt die angrenzenden Büros mit Tageslicht, was den Stromverbrauch senkt. Auf diesem Patio wachsen verschiedene Pflanzen aus südlichen Regionen. Dank der unterschiedlichen, teilweise ­metallisierenden Grautöne wirkt das Gebäude sehr modern. Gegen Abend erzeugen innen im Lichtschacht aufgehängte Lichtpaneele mit 2.40 Metern Seitenlänge eine ganz besondere Atmosphäre, wenn sie in Grün, Rot oder Gelb zu leuchten beginnen. 

Weitere Informationen:
www.lift.ch