Dr. Markus Hess ist Geschäftsführer des Schweizerischen Leasingverbandes (SLV-ASSL).

Nutzfahrzeuge sind aus der Wirtschaft nicht wegzudenken. Es muss aber nicht für jeden Transport ein grosses benzin- oder dieselbetriebenes Fahrzeug sein. Vor allem bei kürzeren Strecken und geringeren Lasten im städtischen Raum sind Elektromobile eine sinnvolle Alternative. Der gekonnte Mix von Fahrzeugen mit Verbrennungs- und Elektromotor ist der Schlüssel für einen richtigen Einsatz der Nutzfahrzeuge. Genauso wesentlich ist aber eine Finanzierung der Fahrzeugflotte, die den übrigen Unternehmensbereichen nicht zu viele Mittel entzieht.
Ohne Nutzfahrzeuge läuft in der heutigen arbeitsteiligen Wirtschaft nichts. Der Transport von Material und Gütern ist eine absolute Notwendigkeit. Auf der Schiene kann so manche Strecke überwunden werden. Die Feinverteilung ist aber Sache von motorisierten Einzelfahrzeugen.

Bei der Organisation der Fahrzeugflotte spielt das dazugehörende Management eine wichtige Rolle. Dabei gilt es auch Zielherausforderungen zu lösen. Der Spagat zwischen Senkung der Transportkosten und Einsatz modernster Fahrzeuge wird sicher wesentlich erleichtert, wenn nicht nur die Finanzierung auch für den Ersatz der Flotte grundsätzlich sichergestellt ist, sondern auch unnötige Kosten durch ein professionelles Handling des Flottenmanagements eingespart werden. Dazu dient das so genannte Flottenleasing. Dieses garantiert, dass Nutzfahrzeuge am Ende nicht nur finanziert, sondern auch richtig eingesetzt werden.

E-Mobile wecken Sympathie
Zunehmend wird es möglich, auch für Sachtransporte Elektromobile einzusetzen. Die Hersteller haben erkannt, dass den Unternehmen der Einsatz umweltschonender Fahrzeuge immer wichtiger wird. Vor allem bei Transporten in stark frequentierte Orte, insbesondere in Innenstädte, weckt ein solches Transportmittel Sympathie. Von der Nutzlast wird dank schnell weiterentwickelter Batterien sodann immer weniger für die Speicherung der Elektrizität verbraucht. Es spricht also kaum etwas dagegen, als Nutzfahrzeuge nicht auch Elektromobile in Betracht zu ziehen.

Dagegen mag man einwenden, dass benzin- und dieselbetriebene Fahrzeuge wesentlich mehr Kraft entwickeln könnten und für längere Strecken unentbehrlich seien. Sodann beziehe man den Strom nicht nur aus der Steckdose, sondern letztlich (und heute noch mehrheitlich) aus Atomkraftwerken, welche gemeinhin nicht (mehr) als umweltfreundlich angesehen werden.

Der Mix macht’s
Zugegeben, die herkömmlichen Verbrennungsmotoren sind wesentlich weiter entwickelt – es bestand dafür auch wesentlich mehr Zeit! Gleichzeitig senken die Hersteller jährlich den Ausstoss von Abgasen um eindrückliche Mengen, verbessern also weiterhin die Energieeffizienz. Will man mit Elektromobilen die gleiche Menge Ware transportieren und/oder gleich lange Strecken zurücklegen, so dürften sie einen schweren Stand gegenüber den herkömmlich motorisierten Artgenossen haben. Dies ist aber genau betrachtet auch gar nicht nötig: Werden für all jene Transporte Elektromobile eingesetzt, bei denen diese nicht benachteiligt sind, also vor allem bei kürzeren Strecken und geringeren Lasten, so sind sie in der Gesamtenergiebilanz den anderen Fahrzeugen voraus. Wie so oft wird nur ein zielgerichteter Einsatz der diversen Optionen eine optimale Nutzung der Ressourcen ermöglichen. Wenn Sie nur schon dort, wo es absolut sinnvoll ist, konsequent Elektromobile einsetzen, hilft dies, den Ausstoss von CO2 in grossem Mass zu reduzieren. Gleichzeitig können Sie ein Nutzfahrzeug mit Verbrennungsmotor immer dort einsetzen, wo dies aufgrund der Anforderungen Sinn macht. Und dennoch haben die Unternehmensverantwortlichen etwas für die Verbesserung ihrer persönlichen Ökobilanz getan.

Ebenso wichtig wie der richtige Einsatz der Fahrzeuge ist der richtige Mitteleinsatz für deren Anschaffung. Die Nutzfahrzeugflotte sollte einheitlich auftreten und nicht nur Waren, sondern auch ein Image des Unternehmens transportieren. Da ist es unter Umständen schon fast zwingend, bei der Beschaffung auch Elektromobile zu prüfen. Denn es reicht heute nicht mehr, die Fahrzeuge mit schönen Bildern zu versehen. Vielmehr sagt das Fahrzeug selbst immer auch einiges über seinen Besitzer aus. So zum Beispiel, ob dieser zu seinen Betriebsmitteln Sorge trägt und ob er viel Geld dafür ausgibt. Es kommt aber auch zum Ausdruck, ob ein Unternehmen der Umwelt dadurch Sorge trägt, dass er über eine Fahrzeugflotte nach neuen technischen Erkenntnissen verfügt und/oder auch Elektromobile einsetzt. Eine solche Botschaft hat natürlich ihren Preis. Es ist deshalb wichtig, dass dafür auch die nötigen Mittel zur Verfügung stehen, ohne dass anderen Unternehmensbereichen unnötig Liquidität entzogen wird.

Flottenleasing ist umweltfreundlich
Ein probates Mittel zur Schonung von Liquidität im Unternehmen ist Leasing. Diese heute etablierte Finanzierungsform, namentlich für Fahrzeuge erlaubt eine Anschaffung moderner umweltfreundlicher Fahrzeuge, ohne die Eigenmittel zu strapazieren. Es wird so möglich, die Fahrzeugflotte nach einer nicht allzu langen Zeit wiederum durch eine nach dem neuesten technischen Stand zu ersetzen. Der Ersatz der Fahrzeuge relativ lange vor Ablauf ihrer wirtschaftlichen Lebensdauer erlaubt es der Leasinggesellschaft, einen realistischen Restwert zu berechnen, zu   welchem das Fahrzeug am Ende der vereinbarten Leasingdauer verwertet werden kann. Dies wiederum führt insgesamt zu vertretbaren Anschaffungskosten.

Ein weiteres Optimierungspotenzial besteht darin, dass die Leasinggesellschaft nicht nur die Finanzierung, sondern auch das Management der Fahrzeugflotte übernimmt. Von einer Mobilitätsgarantie, dem Einschluss von Versicherungen sowie Service-, Betriebs- und Unterhaltskosten, deren Administration und letztendlich sogar Verbuchung in einem Buchhaltungstool kann aus einem reichhaltigen Angebot an Dienstleistungen ausgewählt werden. Die zentrale Bearbeitung der Daten, die Verhandlungen mit den Zulieferern, wie Vertragsgaragen, Betriebsstoff- und Pneulieferanten, Versicherungen etc., tragen ein hohes Potenzial für eine deutliche Senkung der Transportkosten in sich. Dies vor allem dann, wenn eine möglichst einheitliche Flotte von Fahrzeugen betrieben wird. Die Vielzahl gleicher oder ähnlicher Leistungen seitens des Lieferanten und der Supporter ergibt dort Verhandlungsmasse. Die dadurch frei werdenden Mittel sind gut eingesetzt für moderne Fahrzeuge wie beispielsweise Elektromobile, welche ihrerseits das gute Image einer Unternehmung unterstützen können.

Nutzfahrzeuge sind von unseren Strassen nicht mehr wegzudenken. Sie erleichtern nicht nur den Unternehmen, sondern vor allem auch den Konsumentinnen und Konsumenten das Leben ganz erheblich. Wer möchte schon auf günstige Waren verzichten, die vor allem einer arbeitsteiligen Wirtschaft zu verdanken sind; und wer möchte alle Waren selbst nach Hause tragen? Gerade dieser grundsätzliche Konsens über die Notwendigkeit von Nutzfahrzeugen muss die Unternehmen dazu führen, die für ihre Zwecke optimalen Fahrzeuge zu beschaffen und sie effizient zu finanzieren und einzusetzen.