Interview mit Andreas Logk von Florian Bauer

Hallo Andreas. Nochmal herzlichen Glückwunsch zur neuen Aufgabe. Du bist nun seit 3 Wochen neuer Geschäftsführer der management tools research AG. Was war Deine erste Amtshandlung?
Ich habe zunächst die Möglichkeiten des Homeoffice abgeschafft und das  firmeneigene Seegrundstück für alle Mitarbeiter sperren lassen. So kann ich es alleine nutzen. (lacht)  Na gut, Spass beiseite. Es waren projektorganisatorische Pendenzen. Schliesslich sehe ich mich immer noch als Projektleiter. Mein berufliches Selbstverständnis ändert sich ja nicht von heute auf morgen aufgrund der neuen Position. Und auch wenn ich nun etwas weniger Zeit für intensive Projektarbeit haben werde, möchte ich mich nicht gänzlich von der Projektfront zurückziehen. Operative Projektarbeit ist enorm wichtig, um den guten Draht zu unseren Kunden und zu meinem Team aufrechtzuerhalten und auch das Gespür für den Markt nicht zu verlieren. Davon bin ich überzeugt. Und das wird mir bei uns als mittelständischem Unternehmen auch weiterhin möglich sein.

Wie hast Du Dich auf die neuen Aufgaben vorbereitet?
Ich war die letzten siebeneinhalb Jahre als COO und Mitglied der Geschäftsführung bereits in einer leitenden Position. Das ist, zusammen mit meiner über 12-jährigen Branchenerfahrung, meine fachliche Vorbereitung. Die notwendigen soft skills, wie bspw. unternehmerische Intuition oder Augenmass im Umgang mit meinen Kolleginnen und Kollegen, lernt man ja ohnehin on-the-job, da kann man sich nicht planmässig vorbereiten. Ich denke, dass ich mit dem tollen Team und einer gesunden Mischung aus Selbstvertrauen und Respekt gut aufgestellt bin für die neue Verantwortung.

Und was erwartest Du für Deine Zeit als CEO?
Als Leiter des operativen Geschäfts hatte ich bisher insbesondere den research-Bereich der management-tools-Gruppe im Blick. In meiner neuen Rolle vertrete ich uns nun nicht nur noch stärker nach aussen, sondern auch innerhalb unserer Holding, die sich ja aus zwei weiteren Firmen konstituiert: unseren Abteilungen für Medienbeobachtung und Business Development. Hier werden mir natürlich weniger operative, sondern vielmehr strategische Entscheidungen abverlangt. Und darauf freue ich mich ganz besonders, weil ich die Zukunft von management tools research und des gesamten Unternehmensverbundes nun noch aktiver mitgestalten kann.

Apropos Zukunft: Das Research Business hat es nicht leicht in den letzten Jahren. Wie siehst Du diese Entwicklung?
Grundsätzlich stimmt das schon, die Branche hat sich sicherlich verändert, insbesondere aufgrund der Digitalisierung und zunehmenden Vernetzung. Allerdings habe ich auch den Eindruck, ohne dieses Phänomen bagatellisieren zu wollen, dass unsere Zunft noch immer gerne dem von Wilhelm Kampik beschriebenen «Mafo-Blues» verfällt und das Problem grösser geredet wird als es ist. Nichtsdestotrotz kommen grosse Herausforderungen auf uns zu. Und ich bin davon überzeugt, dass man auf die Veränderungen nicht nur reagieren darf. Proaktiv und mit unternehmerischem Selbstvertrauen in der heutigen Zeit zu agieren, ist unerlässlich und vermutlich die grössere Herausforderung.

Das sind grosse Worte. Was heisst das für Dich genau?
Ein Beispiel: Da wir gemeinsam mit unserer Schwester management tools media die Bedeutung der sozialen Medien und vernetzten Kommunikation bereits früh erkannt und das Thema aufgegriffen haben, konnten wir bis heute unser Leistungsportfolio diesbezüglich solide ausbauen. Ein Social Listening selbst verrät noch nicht viel, zum Beispiel über die Stärken und Schwächen einer Marke oder eines Produkts. Erst weiterführende Analysen ermöglichen verwertbare Insights, aus denen wir dann, in Verbindung mit weiteren Daten, entscheidungsrelevante Ableitungen treffen können. Und mit den Möglichkeiten unseres Influencer Monitorings geben wir unseren Kunden fast in Echtzeit Informationen an die Hand, die sie unmittelbar für ihr Influencer Marketing und ihre Unternehmenskommunikation nutzen können. Hätten wir damals gezögert und uns nicht bewusst für investive Massnahmen in diesem Bereich entschieden, wären wir heute nicht da, wo wir jetzt stehen.

Worin genau bestehen denn nun die neuen Herausforderungen?
Die Aufgaben, denen wir uns stellen müssen, haben freilich vielseitige Gründe. Der ohnehin kleine Schweizer Markt ist teilweise gesättigt und es gibt ein Überangebot an traditionellen Marktforschungsleistungen. Das drückt die Preise. Ausserdem werden Unternehmen aufgrund der Frankenstärke und des schleppenden Konsumklimas immer preissensibler. Das drückt sich dann unter anderem in Bestrebungen der Unternehmen aus, ihre marktrelevanten Fragestellungen intern zu bearbeiten, statt einen externen Partner wie uns hinzuziehen. Dabei haben die wenigsten Unternehmen eine professionelle Marktforschungsabteilung, weil deren Unterhalt ungleich teurer ist als ein punktuelles Hinzuziehen eines externen Research-Profis. 

Man kann sich vorstellen, was das für die Qualität der Ergebnisse bedeutet. In diesem Sinne müssen wir als gesamte Branche auch Aufklärungsarbeit leisten und deutlich machen, dass handlungsrelevante Ergebnisse nicht mit einem Gratis-Umfrage-Tool und einer 20 Seiten-Anleitung für SPSS-Einsteiger zu bewerkstelligen sind. Eine weitere Herausforderung für Institute wie uns ist die fortschreitende Digitalisierung, und zwar, etwas grob dargestellt, in zweifacher Hinsicht. Zum einen ermöglicht sie Unternehmen, einige der traditionellen Marktforschungsdienstleistungen selbst erbringen zu können. Am populärsten sind hier sicherlich DIY-Umfragen, die ja mittlerweile sogar über Facebook operiert werden. Zudem eröffnet die technische Entwicklung, wie in anderen Branchen auch, neue Geschäftsmodelle, die den angestammten Instituten ihren Platz streitig machen. Anbieter von Social Listening-Tools oder Digitalagenturen, die Verkaufsförderungskonzepte für den eCommerce anbieten, sind nur zwei von zahlreichen Beispielen. Zum anderen bieten die neuen Möglichkeiten aber auch enorme Chancen für uns. Im Nutzen dieser Chancen sehe ich die andere grosse Herausforderung, vor die uns die Digitalisierung stellt. 

Was bedeutet das für Euch bei management tools, «Chancen nutzen»?
In unserem Fall ist die Digitalisierung ein wahrer Segen, unter anderem, weil wir durch die mannigfaltigen digitalen Kanäle, auf denen sich Konsumenten austauschen, und durch neue Recherchemöglichkeiten unsere Quellenbasis kontinuierlich verbreitern konnten und können. Neue Datenquellen liefern natürlich auch anderes und mehr Material. In den sozialen Medien ist man beispielsweise plötzlich aufgrund von Anglizismen, Abbreviationen und Emojis mit einer völlig neuen Schriftsprache konfrontiert. Dieses Vokabular muss man sich erst mal aneignen. Ausserdem gelangt man aufgrund der Menge der Daten mit herkömmlichen Analysemethoden sehr schnell an die Grenzen des Zumutbaren. Dies war, als wir begannen, uns mit digitalen Datenquellen zu beschäftigen, eine sehr grosse Herausforderung für uns. Heute wissen wir zum Glück: Die Investitionen haben sich gelohnt. Und obwohl ich als CEO nun entscheidenden Einfluss nehmen kann, ist es für uns quasi alternativlos, diesen Weg weiter zu gehen. Die Entwicklungen vollziehen sich so rasch, dass man sich praktisch keine Pause gönnen darf. Die Kunst ist dabei, sich nicht im Daily Business zu verlieren, man muss immer agil bleiben. Hierin sehe ich auch einige meiner wichtigsten Aufgaben: Die Marktentwicklungen zu spüren und bei management tools research die richtigen Akzente für unser zukünftiges Portfolio zu setzen.

Das ist leichter gesagt als getan. Wie möchtest Du das sicherstellen?
Ja, es ist ein hehres Ziel. Aber wir haben bei management tools bereits in den letzten Jahren Strukturen aufgebaut, die unseren Mitarbeitern Freiräume geben, neue Ideen anzustossen und voranzutreiben. Und da ich schon lange dabei bin und unser Team in dieser Konstellation seit einiger Zeit besteht, können wir nahtlos an die etablierten Strukturen anknüpfen. Zudem: Unsere Kommunikations- und Kooperationsformen tragen seit einiger Zeit Früchte und wir konnten Investoren für Forschungsprojekte gewinnen, von denen wir – sonst wäre es keine Forschung – noch nicht exakt wissen, wo wir damit landen werden. Das ist für ein mittelständisches Unternehmen wie uns ein enormer Erfolg und bestätigt uns in unserem Weg, den wir sowohl was unsere Unternehmenskultur als auch unsere zukünftige Ausrichtung angeht, eingeschlagen haben. 

Die Ideen, die wir im Rahmen verschiedener Kreativitätsformate entwickeln, stossen auf Interesse. Wir bauen dabei gezielt auf strategische Kooperationen, da wir mit unserer Unternehmensgrösse nicht alles alleine leisten können. Aber der Firmenverbund der management tools-Gruppe in Verbindung mit unserem Kooperationsnetzwerk verleiht uns eine innovative Schlagkraft, mit der wir uns im Markt erfolgreich Gehör verschaffen können. Dieses Netzwerk gilt es natürlich zu pflegen, was ebenfalls eines meiner Hauptaufgaben ist als neuer Geschäftsführer.

Andreas, vielen Dank für das Interview und nochmals viel Erfolg!

Lesen Sie das Originalinterview im Firmen-Blog von management-tools.ch.