Der Wettbewerb «Lehrling des Jahres» wird seit 2009 vom Gewerbeverband Basel-Stadt in Zusammenarbeit mit Migros Kulturprozent und der Basler Zeitung durchgeführt. Das Ziel dieser attraktiven Plattform ist es, die Bekanntheit und die Popularität der beruflichen Grundbildung und das Image der Berufslehre weiter zu verbessern. Das Basler Pilotprojekt hat mittlerweile auch in anderen Kantonen – zum Beispiel im Wallis – Nachahmer gefunden.

In Basel können sich alle Lernenden für den «Lehrling des Jahres» bewerben, die über einen gültigen Lehrvertrag in den Kantonen Basel-Landschaft und Basel-Stadt verfügen und sich zum Zeitpunkt der Ausschreibung in einem laufenden Lehrverhältnis befinden. Jeder Ausbildungsbetrieb in den beiden Kantonen kann Lernende ins Rennen schicken.

Rund 50 Lernende standen 2014 im Wettbewerb. Eine Jury wählte zehn Kandidaten aus, die sich am Contest-Tag im Rahmen der Berufs- und Weiterbildungsmesse vor rund 400 Personen an acht Posten in unterschiedlichen berufsübergreifenden Disziplinen massen. Neben kognitiven Fähigkeiten wurden auch Geschicklichkeit, gestalterisches Können und soziale Kompetenz geprüft. Über den Sieg entschieden die Ergebnisse des Contests, ein Online-Voting mit rund 4‘000 Abstimmenden und eine letzte Aufgabe auf der Bühne während der Preisverleihung.

Im Gespräch mit dem GESCHÄFTSFÜHRER spricht Samantha Stähli, was die Auszeichnung für sie bedeutet, wieso sie sich für die Ausbildung zur Systemgastronomiefachfrau EFZ entschied und welche Karrierechancen sie für sich sieht.

GESCHÄFTSFÜHRER: Ihr Chef, Daniel Benedetti, Franchise-Nehmer und Leiter der McDonald‘s-Restaurants am Badischen Bahnhof, am Marktplatz, im Stücki Einkaufszentrum und beim Bahnhof SBB, war über Ihren Erfolg nicht erstaunt, weil Sie engagiert, leistungsbereit, loyal und lernfähig seien, eine schnelle Auffassung hätten und mit einem Notendurchschnitt von 5,7 eine hervorragende Schülerin sind – was bedeutet der Titel «Lehrling des Jahres» für Sie?

Samantha Stähli: (lacht) Ich widerspreche meinem Chef natürlich grundsätzlich nicht, ausserdem hat er mich ja auch für den Wettbewerb angemeldet, und ich durfte ihn natürlich nicht enttäuschen. Nein, ernsthaft, für mich ist dieser Titel eine grosse Ehre, vor allem freut mich aber, dass ich dazu beitragen konnte, diese neue Berufsausbildung bekannt zu machen. Und dann bestärkt mich diese Auszeichnung natürlich in meinem Entscheid, diesen Ausbildungsweg eingeschlagen zu haben.

Und weshalb haben Sie sich für diesen Ausbildungsweg entschieden?

Nach sechs Jahren Gymnasium stand für mich fest, dass ich nicht länger theoretisches Wissen pauken wollte, sondern meine berufliche Zukunft eher in praktischem Arbeiten mit meinen Händen und im Kontakt mit Menschen sah. Ich interessierte mich zunächst für eine Ausbildung als Restaurationsfachfrau, absolvierte Schnuppertage in verschiedenen Hotels, bewarb mich aber auch bei McDonaldˈs für die neu geschaffene Ausbildung als Systemgastronomiefachfrau. Offenbar konnte ich Daniel Benedetti beeindrucken, denn er bot mir die Lehrstelle an.

Wissen Sie, weshalb das neue Berufsbild  Systemgastronomiefachmann/-frau geschaffen wurde?

Weil sich die Gastronomiebranche in den letzten Jahren aufgrund veränderter Konsum- und Essgewohnheiten gewandelt hat und immer mehr Betriebe entstanden sind, welche nach standardisierten Konzepten geführt werden, habe sich McDonald‘s mit anderen namhaften Anbietern zusammen mit GastroSuisse und Hotel & Gastro formation für eine neue Grundbildung gemäss den Bedürfnissen der Systemgastronomie eingesetzt. Entstanden ist das neue Berufsbild Systemgastronomiefachmann/-frau, dessen eidgenössisches Fähigkeitszeugnis nach drei Jahren erlangt werden kann. Der Fokus der neuen Grundbildung liegt auf der Umsetzung und auch der Mitgestaltung des Gastronomiekonzeptes. Fachleute für Systemgastronomie organisieren alle Bereiche eines Restaurants nach einem zentral festgelegten Konzept und achten auf die Einhaltung der vorgegebenen Standards.

Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf?

Mich fasziniert die Vielfältigkeit des Berufes. Als Systemgastronomiefachfrau lerne ich die unterschiedlichen Bereiche von der Tagesplanung, Lagerbewirtschaftung und dem Bestellwesen über die Zubereitung und Präsentation der Produkte bis zu Gästeberatung, Verkauf, Organisation und Personalführung kennen. Auch Marketing und Qualitätskontrolle sind wesentlicher Bestandteil der Ausbildung – und gehören zur täglichen Arbeit dazu.

Wie geht es nun in Ihrer Ausbildung konkret weiter?

Ich lerne schon während der Ausbildung als Teilschichtleiterin ganze Teams zu führen. Bis zum Abschluss der Ausbildung 2016 werde ich zudem praxisnah den gesamten Managementbereich kennenlernen. Danach – so die Empfehlung meines Chefs – werde ich ein, zwei Jahre zum Beispiel als Schichtleiterin Erfahrungen sammeln. Und so wie es aussieht, wird McDonaldˈs mir nach der Lehre eine Stelle anbieten.

Haben Sie sich schon überlegt, inwieweit Sie sich eventuell weiterbilden wollen?

Noch habe ich mich nicht entschieden. Zuerst möchte ich die Ausbildung abschliessen. Vielleicht absolviere ich dann die Berufsmaturität mit dem Fernziel Betriebswirtschaft oder lege die Berufsprüfung als Gastro-Betriebsleiterin oder Bereichsleiterin Restauration ab. Weitere Möglichkeiten wären die höhere Fachprüfung zur Leiterin Gemeinschaftsgastronomie mit eidg. Diplom oder zur dipl. Gastro-Unternehmerin, der Lehrgang zur diplomierten Hôtelière oder Restaurateutrice HF oder ein Studium an der Fachhochschule zum Bachelor of Science in Lebensmitteltechnologie.