Zukunftsweisende Arbeiten mit Holz bekannt machen und fördern, das ist das Ziel des Prix Lignum. Der Preis wird zum dritten Mal nach 2009 und 2012 gesamtschweizerisch verliehen. Der Wettbewerb 2015 steht unter dem Patronat von Bundesrat Johann  N. Schneider-Ammann. Es waren alle Arten von Objekten zugelassen, vom Stuhl bis zur Sporthalle. Unter zwei Bedingungen: Der Standort musste in der Schweiz oder im Fürstentum Liechtenstein sein, und das Werk musste bereits realisiert worden sein, und zwar zwischen Januar 2011 und Februar 2015.

Gold für einen ökologischen Pionierbau
Das Depot des Museums für Kommunikation in Schwarzenburg BE würdigt die nationale Jury des Prix Lignum 2015 mit Gold. Damit steht der Berner Architekt Patrick Thurston zum zweiten Mal in Folge im ersten Rang auf dem nationalen Podest. Auf den ersten Blick wirkt das ausgezeichnete Gebäude, das er in Schwarzenburg erstellt hat, wie ein Landwirtschaftsbau. Doch das Innere birgt 75 gelbe Postautos und andere Fahrzeuge als Zeugen vergangener Zeiten. Der Zweckbau ist kohärent und mutig gedacht und gebaut. Die Konstruktion ist materialgerecht, die Form konsequent aus der Funktion abgeleitet. Das Kaltdach und die Brise-Soleils (Schutzsystem) halten Hitze und Hagel fern und lassen den Wind hindurchströmen, um den Bau ohne Technik zu kühlen. So spielt der Bau die Vorteile von Holz auf vielen Ebenen aus: um die Dämmung zu optimieren, um die 53  Meter mit Leichtigkeit zu überbrücken, um Etappen zu realisieren. Aus seiner Konstruktion heraus entwickelt er eine Kraft, die weit über den Pragmatismus eines Depots hinausgeht.

Silber für urbanen Wohnungsbau
Silber geht an das Mehrgenerationenhaus «Giesserei» in Winterthur ZH. Mit ihren 155 Wohnungen auf sechs Geschossen zählt die «Giesserei» zu den grössten Holzbauten der Schweiz. Die Minergie-P-Eco-Siedlung ist ökologisch, sozial und ökonomisch wegweisend. Neben den inneren Werten überzeugt die Architektur. Das Projekt verdeutlicht exemplarisch, was Holz im grossen Massstab leisten kann. Bis auf das Untergeschoss und die Treppenhäuser ist das Gebäude komplett aus Holz gebaut. Seine Konstruktion trägt der Neubau mit roten Brettern stolz nach aussen. Die Balkonschicht schützt die Konstruktion, erlaubt luftige Aussenräume und lockert mit den Schiebeläden die Fassade auf. Sie verdichtet die Haltung der Genossenschaft zu einem vielschichtigen Ausdruck und bringt das Holz sichtbar in die Stadt. So ist der Bau im wahrsten Sinne des Wortes ein Leuchtturm, der zeigt, welche Rolle der moderne Holzbau im urbanen Raum heute und morgen spielt.

Bronze für Umbau auf höchstem Niveau
Mit Bronze würdigt die Jury den Umbau eines Wohnhauses in Sarreyer  VS. Viele Ställe in den Alpen stehen leer und verfallen  –  oder werden unsensibel zu Ferien-häusern umgebaut. Der Umbau in Sarreyer ist eine überraschende Ausnahme auf höchstem Niveau. Der denkmalgeschützte Holzbau bleibt integral erhalten und wird mit einer innenliegenden Holzkonstruktion ergänzt, die wie der Neubau die konstruktiven Prinzipien des Bestandes reflektiert. Der Umgang mit dem Bestand ist wegweisend. Die Architekten imitieren keinen Stall, sondern entwickeln mit den vorhandenen Elementen eine neue Sprache. Daraus resultiert ein respektvolles Nebeneinander von Alt und Neu, das spektakulär unspektakulär wirkt. Die Details sind sauber geplant und handwerklich hervorragend umgesetzt. Darüber hinaus verdeutlicht das Projekt, wie in die Dörfer in den Alpen, die sich entleeren, wieder Leben gebracht werden kann  –  zumindest zeitweise. Das Ferienhaus aktiviert den Bestand sorgfältig, statt auf der grünen Wiese zu bauen.