Frau Diethelm, Frau Skoczylas, erzählen Sie uns doch etwas über Ihren beruflichen Werdegang. Wie sind Sie in die Modebranche gekommen, und wie haben Sie sich kennengelernt?
Joanna Skoczylas: Ich habe während meines Studiums an der «ZHdK» mit dem Aufbau meines Schuhlabels «Tyrann» begonnen. Unter anderem entwarf ich handgehäkelte Lingerie für mein Label «Petit Déjeuner».
Eliane Diethelm: Ich entwarf nach meiner Ausbildung zur Couture-Schneiderin diverse Kostüme für Theater, Film und Oper. Mit meinem Bruder führte ich sechs Jahre das Kleiderlabel «Chic Happens» in Zürich. Ausserdem war ich freischaffend als Stylistin tätig. Kennengelernt haben wir uns während der Diplommodenschau von Joanna Skoczylas. Danach haben wir an mehreren Projekten zusammen gearbeitet, bevor wir 2009 das gemeinsame Label gegründet haben.
Wie kam es zu der Idee mit LBD, war es von Anfang an ein gemeinsames Projekt?
Wir wollten etwa zur gleichen Zeit etwas Neues aufbauen. Da wir schon an verschiedenen Projekten zusammen gearbeitet haben wussten wir, dass wir ein gutes Team bilden und ein gemeinsames Label gründen wollten. Wir wollten uns auf ein Produkt spezialisieren, und da für uns beide das Kleid das perfekte Kleidungsstück darstellt, haben wir das Label LBD Little Black Dress gegründet.
Wie der Name Ihres Labels schon sagt, spielt das »Kleine Schwarze» eine wichtige Rolle in Ihrer Arbeit. Was bedeutet es Ihnen persönlich?

Joanna: Das kleine Schwarze steht für das perfekte Kleid. Und ganz generell ist das Kleid für mich das Kleidungsstück mit der grössten Ausstrahlung. Es ist sehr praktisch, weil man nicht allzu viel kombinieren muss und schnell und gut angezogen ist. Das gleiche Modell lässt sich mit wenigen Veränderungen ganz casual oder chic tragen. Im Kleid fühle ich mich am wohlsten und trage es jeden Tag.
Eliane: Frau ist immer passend angezogen mit einem kleinen Schwarzen.
Was für Kleider finden sich sonst noch in Ihren Kollektionen?
Wir bieten sehr unterschiedliche Modelle an: vom alltagstauglichen Jerseykleid, über smarte Businesskleider und Cocktailkleider bis zu eleganten Abendkleidern für eine rauschende Ballnacht. Unter der Zweitlinie LBD White bieten wir Hochzeitskleider an. Als Ergänzung zu unseren Kleidern haben wir unser Sortiment mit Cardigans und Mänteln erweitert, um das ganze Outfit anbieten zu können. Wer ein Kleid braucht, kommt zu uns.
Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben, welche Designer/Innen haben Sie beeinflusst?

«Little Black Dress» ist sophisticated, jedoch unkompliziert, und steht für hohe Qualität. 
Bei der Fertigung Ihrer Kollektionen legen Sie grossen Wert auf die Qualität der Stoffe und faire Arbeitsbedingungen. Was tut LBD alles, um dies dauerhaft zu gewährleisten?

Wir arbeiten mit kleinen, nachhaltigen Betrieben zusammen. Wir produzieren in der Schweiz und einem bosnischen Familienbetrieb. Wir suchen unsere Materialien sehr sorgfältig aus und arbeiten auch immer gerne mit Textilproduzenten wie Jakob Schläpfer zusammen, die sich seit Jahren durch ihre Innovation und hohe Qualität auszeichnen. Es ist uns wichtig, nicht zu schnell zu wachsen, da bleibt sonst oft die Qualität auf der Strecke.
Was halten Sie vom neuen Eco-Fashion-Trend? Wäre der vollständige Verzicht auf tierische Produkte auch eine Option für Ihr Label oder halten Sie das für übertrieben?

Der Eco Fashion Trend beinhaltet weit mehr als den Verzicht auf tierische Produkte. Es geht um ökologische und soziale Verantwortung. Wir sind uns dieser Verantwortung sehr bewusst. 
Wir produzieren in Bosnien und in der Schweiz, um lange Transportwege zu vermeiden und lokale Arbeitskräfte zu unterstützen. Wir besuchen unsere Produktionen regelmässig und es ist für uns unumgänglich, dass die Näherinnen unter guten Bedingungen unsere Kleider nähen. Unser Qualitätsanspruch und das zeitlose Design machen unsere Kleider zu langjährigen Begleitern, die man nicht so schnell weggibt. Der Verzicht auf tierische Produkte ist ein einseitiger Lösungsansatz, da das meist das Bedürfnis nach nicht nachwachsenden Rohstoffen wie Erdöl ansteigen lässt. Nachhaltigkeit heisst auch, nur so viel konsumieren, wie man wirklich braucht, recyclen, nachwachsende Rohstoffe benutzen, energieeffizient arbeiten. Wir arbeiten nach diesen Grundsätzen schon seit Anfang aus Überzeugung und nicht wegen des Trends.
Sie haben bereits zwei Shops in Zürich. Wo kann man Ihre Produkte noch kaufen, gibt es auch schon einen Online-Shop?

Wir haben einen Flagship Store an der Josefstrasse 45 in Zürich und einen temporären Shop an der Rämistrasse 7 in Zürich, der bis Juni 2015 geöffnet sein wird. Wir sind Teilhaberinnen des Shops «Gris – Alliance des Créateurs» in der Europaallee in Zürich und verkaufen bei der Schweizer Onlineboutique fashionvestis.com und international bei nelou.com.
Planen Sie bereits für den ausländischen Markt?

Der ausländische Markt ist seit unserer Gründung ein Ziel. Wir würden gerne eigene Shops eröffnen und für diesen Zweck Franchise-Partner finden.
Was würden Sie sagen, wie schneiden die Schweizer Frauen im internationalen Vergleich ab? Kleiden Sie sich gut oder gibt es noch Luft nach oben?

Joanna:
Ich mag solche Rankings nicht, Mode kann uns eine Ausdrucksform bieten und sollte spielerisch angesehen werden.
Ich bewundere Menschen, die einen selbstsicheren, entspannten Umgang mit Mode haben, die keine Angst haben, Neues auszuprobieren und im Zweifelsfall lieber overdressed sind.

Eliane: Sicherlich gibt es eine Stil-Tendenz in jedem Land. Aber viel spannender sind doch individuelle Menschen und ihr ganz persönlicher Stil. Ich sehe überall immer wieder gut oder kreativ angezogene Frauen, in Zürich genauso wie in New York oder Paris, das sind aber Perlen, die man nicht jeden Tag haufenweise sieht.
Verraten Sie uns Ihr persönliches Lieblingskleidungsstück oder Accessoire?

Joanna: Mein Lieblingskleidungsstück ist definitiv das Kleid. Bei den Accessoires sind Schuhe auf Platz 1. In Schuhe verliebe ich mich regelmässig, meistens in die Designs von Lele Pyp.
Eliane: Auch ich kann ohne das Kleid nicht sein, noch nie konnte ich an einem schönen Stück einfach vorbeigehen. Dazu liebe ich Statement-Schmuck, ganz tolle Vintagestücke habe ich z.B. von Bijoux de Ghislaine.