Er trug stets Anzug und Krawatte  – war immer perfekt gekleidet. Denn schliesslich hätte jederzeit ein Kunde mit einem Auftrag vor der Tür stehen können. Frank Lloyd Wright, einer der grössten Architekten des 20. Jahrhunderts war ohne Frage eine schillernde und interessante Persönlichkeit.

Seine Refugien
1911 baute Frank Lloyd Wright sein Haus «Taliesin» in Spring Green, Wisconsin. Der Architekt wohnte und arbeitete nicht nur dort, sondern er sah Taliesin auch als eine Art Versuchsobjekt, an dem er immer wieder Neues ausprobieren konnte. 48 Jahre lang war Taliesin Frank Lloyd Wrights Zuhause und Arbeitsort in einem. Die Spuren von Frank Lloyd Wright verfolgen Architekturfreunde aus der ganzen Welt bis heute vor allem auch nach Scottsdale, Arizona. Denn dort lässt sich alles über seinen Einfluss, seinen Stil und sein Talent erfahren, an seinem weltweit bekannten und ursprünglich als Winterquartier konzipierten und später als Lehrstätte genutzten Bauwerk «Taliesin West». Mitten in der Sonorawüste, am Fusse der 

McDowell Mountains, wurde das Gebäude 1937 erbaut. Aus der richtigen Perspektive betrachtet, wirkt das Gebäude wie die Augenbrauen der Berge. Daher der Name Taliesin, was «strahlende Augenbrauen» im Walisischen bedeutet und der Name eines berühmten britischen Barden aus dem 6. Jahrhundert ist. Mr. Wright hatte Taliesin West als Wüstencamp und Schule errichtet. Er lebte und arbeitete hier selbst in den Wintermonaten von 1937 bis zu seinem Tod 1959. Auch einige ausgewählte Schüler durften in Taliesin West wohnen. Heute ist der sehenswerte Baukomplex Sitz der «Frank Lloyd Wright School of Architecture», Hauptquartier von «Taliesin Architect» und zudem ein renommierter Studienort für Architekten aus aller Welt. Wrights Winterresidenz zieht unzählige Besucher aus aller Welt an. So legt Taliesin West ein lebendiges Zeugnis bedeutender Architekturgeschichte ab. Auf den Führungen erfahren Touristen und angehende Architekten alles über das Leben und Wirken des Mannes, der auch das berühmte «Guggenheim Museum» in New York, Teile des heutigen «Imperial Hotel» in Tokio oder die beeindruckende Residenz «Fallingwater» in Pennsylvania entworfen hat. Und sein Einfluss ist auch direkt nahezu
überall in Scottsdale zu sehen. Seine Schüler waren an den Entwürfen zahlreicher Hotels der Region beteiligt, und so zeigt sich Mr. Wrights Handschrift zum Beispiel im «Sanctuary on Camelback Mountain Resort and Spa», der «Hyatt Regency Scottsdale Resort & Spa at Gainey Ranch» oder dem «Hotel Valley Ho», das den ganz besonderen Charme Hollywoods der 30er- bis 50er-Jahre versprüht. Mit seinem Schaffen brachte Wright die Auffassung von einer organischen Architektur zum Ausdruck, nach der jedes Gebäude in seiner Skulptur die Umgebung beeinflusst. Gemäss dieser Vorgabe berücksichtigte er natürliche Gegebenheiten wie Licht oder Wind als Gestaltungselemente. Er verabscheute Materialen, die nicht organischer Natur waren. Die nahtlose Verbindung von Natur und Bauwerk lehrte er auch seine Studenten. Im September 2014 feierte in Scottsdale, Arizona, eine weitere der Architekturlegenden Wrights Jubiläum: Das «ASU Gammage», das Auditorium der Arizona State University (ASU), wurde 50 Jahre jung. Damals bat ihn sein enger Freund, der damalige Präsident der Universität Grady Gammage, eine Idee für eine Aula auf dem Campusgelände zu entwerfen. Wright entschied sich für ein Design, das ursprünglich für ein Opernhaus in Bagdad im Irak geplant war. Im Jahr 1964 wurde es dann eröffnet und 21 Jahre später ins National Register of Historic Places aufgenommen. Das architektonische Meisterwerk wird als letztes Gebäude angesehen, das Wright für die Öffentlichkeit erbaute.

Seine Frauen
Als Frank Lloyd Wright 1867 in Wisconsin geboren wurde, kam zugleich einer der meistgefeierten Architekten auf die Welt. Als er 1959 starb, hinterliess er auf der ganzen Welt ikonische Strukturen, die seine einzigartigen Visionen widerspiegeln. Doch er hinterliess auch das Renommee eines unwiderstehlichen Charmeurs. Frank Lloyd Wright war nicht nur ein exzentrischer Architekt, seine Leidenschaft für die Frauen sorgte zum Teil für grössere Schlagzeilen als seine Bauwerke. Es gab vier grosse Liebesgeschichten in seinem Leben, die über weite Strecken sehr dramatisch verliefen und zum Teil in Tragödien endeten. 1889 heiratete Wright seine erste Ehefrau, Catherine Lee Tobin, und es folgten vier Söhne sowie zwei Töchter. Die Ehe hielt über zwei Jahrzehnte, bevor er seine Frau wegen Mamah Borthwick Cheney verliess, die wiederum unter tragischen Umständen ermordet wurde, bevor er sie heiraten konnte. Im November 1922 wurde Wright von seiner ersten Ehefrau Catherine endlich geschieden, und er konnte somit Miriam Noel heiraten, die schon seit acht Jahren seine Gefährtin war. Er hoffte, damit die Spannungen, die zwischen ihm und Miriam entstanden waren, etwas glätten zu können, doch Miriam verliess ihn bereits nach einem halben Jahr. Die schmerzliche letzte Auseinandersetzung begleitete ihn über Jahre, doch das Schicksal brachte Wright in dieser schweren Zeit mit Olgivanna Lazovich Hinzenberg zusammen, die seinem geradezu diabolischen Charme unterlag und seine dritte Ehefrau werden sollte. Der amerikanische Autor T. C. Boyle widmete in dem Buch «Die Frauen» kunstvoll die erotischen Eroberungen von Wright. Aus der Perspektive eines fiktiven Architekturstudenten, dem Japaner Sato Tadashi, nimmt Boyle das Liebesleben von Wright in den Blick. Wright nimmt sich, was er zu denken braucht, und so geniesst er nicht gerade eine hohe moralische Reputation. Wenngleich die Gesichte von Tadashi überaus erhellend ist, denn er zeigt auf, dass nicht nur die Frauen dem Kult von Frank Lloyd Wright unterlagen. Er war ein Genie, der es verstand, die Leute mit seiner Energie anzustecken. Vieler seiner Schüler haben ihm zum Teil über Jahrzehnte ergeben gedient. Junge begabte Architekten erhielten gegen Kost und Logis und für ein monatliches Schulgeld die Möglichkeit, dem Meister zur Hand zu gehen. Neben architektonischen Entwürfen auszuarbeiten, wurde der Garten gepflegt, Holz gehackt und auch gelegentlich der Hausherr chauffiert. Nur die sexuellen Beziehungen zwischen den Stipendiaten und Stipendiatinnen waren strengst untersagt. Wenn schon der Ruf des Hausherrn in Mitleidenschaft gezogen war, sollte doch zumindest die Keuschheit des Personals eingehalten werden. 

© Fotos: Andrew Pielage, Frank Lloyd Wright Foundation