«Geschäftsführer»: Frau Rytz, was zeichnet die Schulthess Klinik aus?
Andrea Rytz: Die medizinische Kompetenz. Es ist unglaublich, auf was für einem hohen Niveau die Medizin in der Schulthess Klinik ist. Das ist wirklich Spitzenmedizin. Fasziniert bin ich auch von der Forschung. Auf diesem Gebiet arbeiten wir mit namhaften Hochschulen auf dem Platz Zürich zusammen und sind ein aktiver Player bei der Entwicklung der Orthopädie. Von uns entwickelte Produkte, wie zum Beispiel Implantate, finden weltweit Anerkennung. Das macht mich stolz.

Ein Um- und Ausbau dieser Dimension ist eine grosse Herausforderung für die ganze Belegschaft. Wie haben Sie die Situation gemeistert?
Die grösste Leistung war, dass der Spitalbetrieb trotz Bauarbeiten immer zu hundert Prozent lief. Dafür hat es von allen Seiten viel Einsatz und Leistung gebraucht. Ich bin allen Mitarbeitenden sehr dankbar für ihre Toleranz und Flexibilität in den vergangenen drei Jahren und freue mich, nun mit einer hochmodernen Klinik in die Zukunft zu blicken.

Wo sehen Sie die Schulthess Klinik in fünf Jahren?
Wir haben einen neuen visuellen Auftritt und werden ein noch viel ­dynamischeres Unternehmen sein. Die verschiedenen Fachbereiche werden wir prägnanter und gezielter kommunizieren. Unsere Forschungsabteilung wird noch etablierter sein und national sowie international höchste Anerkennung geniessen.

Zurzeit beschäftigen Sie über 1 000 Mitarbeiter. Wird der Bedarf an qualifiziertem Personal weiter steigen?
Der Bedarf an Fachpersonal wird stetig steigen und es wird zunehmend schwieriger, hochqualifiziertes Fachpersonal zu finden. Wir befinden uns heute im klassischen «War for Talents» und müssen dem eigenen Personal gut Acht geben, damit es nicht abwandert. 

Sie sind seit Anfang 2016 im Amt als Direktorin und CEO der Schulthess Klinik. Wie gedenken Sie das Erbe von Gründer Wilhelm Schulthess (1855 – 1917) weiterzuführen und was ist dabei die grösste Herausforderung?
Wir waren und sind noch heute die Klinik, die medizinische Dienst­leitungsqualität auf Spitzenniveau erbringt. Dies müssen wir uns unbedingt erhalten und auch grossen Wert darauf legen, neue Ärzte und Fachpersonal auszubilden und ihnen Weiterentwicklungsmöglichkeiten zu bieten. 

Weiter müssen wir den Hochschulplatz Zürich durch unsere Grundlagenforschung unterstützen und dabei eine noch wichtigere Rolle einnehmen. Durch die vielen internationalen Platzierungen unserer Studien gelingt es uns, ein beachtliches Ranking in der Anzahl Publikationen und deren Qualität auf dem internationalen Parkett zu belegen. So wird unser Brand in die Welt getragen und prägt unser Image noch stärker.

Jährlich werden hier rund 20’000 Eingriffen durchgeführt. Inwieweit ermöglicht die neue Infrastruktur auch eine Kapazitätssteigerung?
Unser Ziel ist es, in den nächsten Jahren kontinuierlich im einstelligen Prozentbereich zu wachsen. Nachhaltiges Wachstum ist nicht ein schnelles, sondern ein kontrolliertes Wachstum. Wir haben heute 180 Betten zur Verfügung, die wir in den nächsten 2 Jahren gerne voll ausgelastet haben möchten – so auf jeden Fall ist der Plan. 

Eine Spezialität ist sicher auch die Abteilung Lehre, Forschung und Entwicklung. Inwiefern sind Sie auf Fördergelder angewiesen?
Jedes Jahr investiert die Schulthess Klinik 5 Mio. CHF in die Forschung. Diese Gelder werden mit einem klaren Forschungsauftrag von der ­Wilhelm Schulthess-Stiftung gesprochen. Wenn jedoch die politische Lage so prekär wird wie sie zu scheinen droht  – mit Abschöpfungs­gedanken der Politik –, dann werden wir in Zukunft viel mehr auf ­­externe Fördergelder angewiesen sein.

Weitere Informationen:
www.schulthess-klinik.ch