Liestal entwickelt sich immer mehr zum weit über die Stadtgrenzen hinaus reichenden, attraktiven Einkaufsstandort. Der reichhaltige Ladenmix im historischen «Stedtli», insbesondere in und rund um die autofreie Rathausstrasse, wird gleichermassen von den Konsumenten, als auch von den Ladenbesitzern, positiv bewertet. Während vor allem die Freie Strasse in Basel immer wieder im Mittelpunkt der Berichterstattung über Unternehmen, welche gezwungen sind, das Geschäft aufzugeben oder Basels renommierte Einkaufsmeile zu verlassen, steht (s. a. «Geschäftsführer 04/2015»), präsentiert sich die Situation in Liestals Pendant, der Rathausstrasse, deutlich entspannter. Zwar kämpfen auch die Ladenbesitzer im «Stedtli» mit den Folgen des veränderten Einkaufsverhaltens der Konsumenten, und auch in der Rathausstrasse ist in den letzten Jahren eine nicht unbeträchtliche Fluktuation unter den Läden zu beobachten, dennoch herrscht beim Gewerbe eine weitaus optimistischere Grundstimmung als zum Beispiel bei den Ladenbetreibern der Freien Strasse in Basel. Einerseits übernehmen im «Stedtli» vor allem einheimische Unternehmen in der Regel in kurzer Zeit freigewordene Ladenflächen und schaffen einen reichhaltigen Ladenmix, andererseits ist das Parkieren aufgrund der kurzen Wege und den beiden Parkhäusern in Gehdistanz vergleichsweise komfortabel. Vor allem – wie dies auch im folgenden Interview mit Fabrice Bütler, Geschäftsleiter von BÜTLER MEN’S FASHION sowie in persönlichen Statements von Andreas Zbinden, Präsident KMU Liestal, und vom Stadtpräsidenten von Liestal, Lukas Ott, ersichtlich wird – sorgen innovative Ladenkonzepte und ein enger Schulterschluss zwischen Gewerbe und Politik für ein positives Klima für Konsumenten und für Unternehmen am Einkaufsstandort Liestal.

Im Interview erläutert Fabrice Bütler (33), Detailhandelsfachmann sowie Eidg. dipl. Textildetailhandelsspezialist, und seit 2014 Geschäftsleiter von BÜTLER MEN’S FASHION, warum sich der Einkaufsstandort rund um die Rathausstrasse positiv entwickelt, aber auch wie es seinem Geschäft gelungen ist, auch nach 27 Jahren zuversichtlich in die Zukunft zu schauen.  

«Geschäftsführer»: Was ist das Erfolgsrezept für BÜTLER MEN’S FASHION am Standort Rathausstrasse 69?
Fabrice Bütler: Wir sind zwar direkt vor dem Törli mit der Rathausstrasse verbunden, können unseren Kunden aber direkt vor dem Geschäft drei Parkplätze anbieten. Es ist ganz offensichtlich, dass wir damit den Kunden ein wichtiges Argument bieten, bei uns einzukaufen. Viele Kunden melden sich sogar an, um einen Parkplatz zu reservieren – auch aus Basel! Die Kunden wollen heute nicht nur kompetent beraten werden und aus einem anspruchsvollen Sortiment auswählen können, sondern sie wollen effizient einkaufen und dabei wenig Zeit verlieren. Mit diesem Gesamtpaket können wir auf die zeitgemässen Einkaufsbedürfnisse der Kunden eingehen. Zum Erfolgsrezept gehören aber auch kontinuierliche Anstrengungen, den Kunden laufend nicht nur die neuste Mode zu präsentieren, sondern ihnen auch in speziellen Aktionen immer wieder auf unsere Angebote aufmerksam zu machen. Als Ladenbesitzer muss man sich auch immer wieder neu erfinden, sich verändern und auch in Werbung investieren.

Was zeichnet das Sortiment von BÜTLER MEN’S FASHION aus?
Bei uns finden die Kunden hohe Qualität bekannter Labels. Nachhaltige, mehrheitlich in Europa produzierte Produkte – teilweise sogar aus Fairtrade-Produktion – prägen unser Sortiment, das in sämtlichen Grössen – von extraschlank bis 3XL erhältlich ist. Eine weitere Spezialität – neben einem grossen Angebot an Freizeitmode – ist die grosse Auswahl an festlicher und formeller Kleidung.

Auch die Rathausstrasse ist nicht vom Wegzug von Ladengeschäften und Unternehmens-Aufgaben verschont geblieben. Zudem ist mit dem Bücheli-Center ein gewichtiger Konkurrent für den Detailhandel entstanden, trotzdem ist eine positive Grundstimmung zu spüren – wie erklären Sie sich den Optimismus?

Der Detailhandel und die Einkaufsgewohnheiten der Konsumenten verändern sich natürlich  – zum Beispiel Stichwort Internet – aber als Unternehmer darf man diesen Wandel nicht einfach beklagen, sondern muss ihn aufnehmen und mit Emotionen und positiven Erlebnissen die Kunden dazu zu animieren, in die Läden hineinzugehen. Dazu gehören aber auch Rahmenbedingungen, welche es den Unternehmen erlauben, sich zu entwickeln. Hier in Liestal sind wir in der glücklichen Lage, dass das Gewerbe zusammenarbeitet und vor allem von der Politik nicht alleine gelassen wird. Bei bauliche Massnahmen – wie die Sanierung der Rathausstrasse im nächsten Jahr – werden wir Ladeninhaber frühzeitig informiert, wir werden zu den entsprechenden Baustellensitzungen eingeladen und unsere Anliegen werden bei den Planungen berücksichtigt. Die Stadt sucht den Dialog mit uns und gemeinsam werden Vorschläge entwickelt, wie man die Attraktivität des Einkaufstandortes durch verschiedene Massnahmen steigern kann. Zur Aufwertung der Rathausstrasse gehören neben einer Neugestaltung zum Beispiel auch neue Gastronomieangebote, eine hohe Aufenthaltsqualität durch Begrünung und die Schaffung von Sitzmöglichkeiten, aber auch eine längerfristig angestrebte Attraktivitätssteigerung des gesamten Einkaufstandortes durch die Arealentwicklung bei Post und Bahnhof. Insgesamt kann ich sagen, dass das Gewerbe und die Stadt an einem Strang ziehen, und dass ich als Landebesitzer in die Gesamtentwicklung einbezogen werde. Was Ihre Frage nach der Konkurrenzsituation durch das Bücheli-Center betrifft, so kann ich aus meiner Sicht von einer positiven Situation sprechen. Wir von gewerblicher Seite arbeiten eng mit dem Center zusammen, sprechen uns miteinander ab und wir Läden im «Stedtli» profitieren von den steigenden Kundenfrequenzen des Centers.

Viel Potential für Einkaufsstandort Liestal

von Lukas Ott, Stadtpräsident Liestal

Der Detailhandel befindet sich insbesondere wegen der Verlagerung in den Onlinehandel und der Konkurrenz aus dem grenznahen Ausland in einer Umbruchphase. Die Liestaler Innenstadt muss sich zukünftig noch stärker um ihre Kunden bemühen. Trotzdem verfügen unsere Anbieter grundsätzlich über eine gute Ausgangslage: Liestal hat eine starke Zentrumsfunktion, weist in der Region mit Abstand am meisten Verkaufsflächen auf und verfügt über hervorragende ÖV-Anbindungen. Überdurchschnittlich ist sowohl die Zahl der Arbeitsplätze gemessen an der Einwohnerzahl, wie auch die Kaufkraft. Zudem ist eine deutliche Aufbruchsstimmung zu verspüren – öffentliche und private Investitionen wirken als wichtige Triebfedern der städtischen und regionalen Entwicklung. Der Vierspurausbau der SBB hat das allgemeine Aufbruchssignal gegeben, das ganze Quartier rund um Bahnhof und Post mitten im Zentrum von Liestal zu erneuern. Diese Entwicklungen und weitere Projekte im Wohnungs-und Gewerbebau rund um die Altstadt beinhalten ein künftiges Potenzial für neue Nutzungen und Formate, das es zu nutzen gilt.

Folgende Themenfelder müssen bei der Entwicklung der Rathausstrasse im Vordergrund stehen: Orientierung der Dienstleistung an den Bedürfnissen der Kunden, Erneuerung des Gastronomieangebots, Stärkung des Erlebnisfaktors und Steigerung der Aufenthaltsqualität. Beim letzten Punkt ist insbesondere die Stadt Liestal selbst gefordert: Durch die Neugestaltung der Rathausstrasse soll der Aussenraum aufgewertet und die Zugänge zur Altstadt im Rahmen der Arealentwicklungen im Zentrum attraktiviert werden.

Diese Entwicklungen stellen einen längerfristigen Prozess dar, bei dem Grundeigentümer, Betreiber und Stadt gleichgerichtete Aktivitäten entfalten müssen. Der Stadtrat und der Vorstand KMU Liestal gehen die weiteren Schritte deshalb in einem gemeinsamen Projektteam an. Zur Begleitung dieses Prozesses hat der Stadtrat mit Thomas Bretscher als ehemaligem Regionaldirektor der Manor AG und Vorstandsmitglied der Pro Innerstadt Basel einen erfahrenen Fachmann mandatiert. Die Chancen, die sich daraus ergeben, wollen und müssen wir packen.

Liestal im Umbruch
von Andres Zbinden, Präsident KMU Liestal

Meine Zukunftsvision: Ich stehe beim Regierungsgebäude und betrachte mit viel Liebe unsere historische Rathausstrasse, wie sie sich in einem sanften Bogen bis zum Törli, dem Wahrzeichen von Liestal, hochzieht. Die Abendsonne lässt sie in einem sanften Licht erstrahlen. Links und rechts laden Gastronomiebetriebe die Passanten zum Verweilen und Konsumieren ein. Ladenbesitzer preisen ihre unterschiedlichen Waren, teilweise vor Ihrem Ladenlokal, feil, und die Passanten flanieren gemütlich durch die Strasse. Es herrscht eine fröhliche und zuvorkommende Stimmung, wie ich sie bis jetzt nur aus meinen Ferien im Süden kenne. Die Sanierung der Rathausstrasse hat sich also gelohnt!

Viele Elemente meiner obigen Zukunftsvision sind meiner Meinung nach heute schon umgesetzt und unser «Stedtli» und Liestal im Allgemeinen sind im Aufwind. Politische Behörden, Ladenbesitzer, Planer und KMU Liestal arbeiten in enger Zusammenarbeit an der Attraktivitätssteigerung von Liestal. Projekte wie die Sanierung der Rathausstrasse, der Bahnhofplatz oder die verschiedenen Quartierpläne werden Liestal in das Einkaufszentrum der Zukunft führen. Die bestehende historische Altstadt verleiht Liestal ein Cachet, welches das Einkaufen im «Stedtli» zu einem besonderen Erlebnis macht. Deshalb bin ich überzeugt davon, dass die Rathausstrasse eine blühende Zukunft vor sich hat und der von mir oben in Zukunft gerichtete Blick, bald von der Gegenwart eingeholt wird.