Andreas Krefts Händedruck ist genauso fest wie der eines Mannes, der überzeugt ist von dem, was er tut. Kreft ist seit Februar Chefarzt der Kindertagesklinik in Liestal (KTK). Jener Klinik, die vor zwei Jahren noch kurz vor dem Aus gestanden hatte. Heute will man nach vorne blicken. «Es weht ein frischer Wind in der Kindertagesklinik. Mit Andreas Kreft bricht bei uns eine neue Zeit an», sagt Werner Durrer, Geschäftsführer der KTK.

Die neuen Zeiten begannen damit, dass die Klinik seit Februar auch an den Wochenenden geöffnet ist. «Damit sind wir abgesehen von der UKBB die Einzigen in der Region, die eine Versorgung am Wochenende anbieten. Diese Erweiterung ist enorm relevant», sagt Durrer und bestätigt, dass dies einem grossen Bedürfnis in der Bevölkerung entspricht.

Und schon erfüllt Kinderweinen die gerade noch ruhigen Räumlichkeiten an der Oristalstrasse 87a in Liestal, inmitten des Gewerbegebiets. Ein Mädchen hat sich an der Hand verletzt, Blut fliesst. Sofort kümmert sich Pflegefachfrau Ursula Läuchli um die Verletzte, derweil sich ihr Bruder in der Spielecke einnistet. Puppen warten hier und ein ganzer Fuhrpark für die Jungs. «Es kommt vor, dass die Kinder gar nicht mehr fort wollen», sagt Kreft.

Teil der Grundversorgung
Mit den neuen Öffnungszeiten kam auch der neue Arzt. Andreas Kreft stammt aus dem Ruhrgebiet, aus Duisburg genau, die letzten mehr als 15 Jahre arbeitete er allerdings in Dänemark. Kreft versucht sich mit seinen Kollegen vor Ort zu vernetzen, mit Hausärzten, der UKBB, den Fachgremien. Er sagt: «Wir kochen hier nicht unsere eigene Suppe. Wir wollen ein Teil der Grundversorgung sein.»

Noch tut er sich allerdings schwer mit der schweizerdeutschen Sprache, «so langsam funktioniert aber auch das immer besser». Andreas Kreft lächelt, während er das sagt. Er fühlt sich wohl hier, lobt das Schweizer Gesundheitssystem, will etwas bewirken. Das schafft er, indem das Angebot der KTK weiter ausgebaut wird. Die Diagnostik wurde bereits erweitert, bald soll es eine sozialpädiatrische Sprechstunde und einen Ausbau in den fachärztlichen Gebieten Orthopädie und Dermatologie geben.

Erfolgreiche Observation
Die Kindertagesklinik ist eine Mischung aus Hausarztpraxis und hoch spezialisierter Klinik. Ärzte, Krankenschwestern und zwei Chirurgen teilen sich hier knapp 400 Stellenprozente. Kinder mit leichten bis mittelschweren Erkrankungen werden hier versorgt. Dazu kommen ein kinderchirurgisches Angebot, akute Notfälle, Zahnoperationen für Menschen mit Behinderung und die Möglichkeit, Kinder für mehrere Stunden zu observieren.

Letzteres beschreibt Kreft als eines der wichtigsten und auch wirksamsten Instrumente in der Kinderheilkunde. Die Möglichkeit, die jungen Patienten zu beobachten, ermögliche eine massgeschneiderte Therapie, vermindere die Gesundheitskosten, reduziere den Andrang auf die Intensivstationen und verhindere, dass Eltern mit ihren Kindern auf überfüllten Gängen warten müssten, so Kreft. Und schliesslich werden in der KTK auch Neugeborene behandelt. Dies ist vor allem wichtig, seitdem ambulante Geburten zugenommen haben und damit die Observation Neugeborener ebenfalls zu Hause stattfindet. Viel Erfahrung in der Neonatologie hat Kreft in Dänemark gesammelt! (NB: kein Spezialfach).