Herr Honegger, seit dem Verkauf von green.ch haben sie sich ein kleines Firmenimperium im IT Segment aufgebaut. Meist erkennen Sie den Trend im Anfangsstadium und setzen so auf das richtige Pferd. Ist das Zufall oder gibt es ein Rezept?
Zufall ist es nicht! Es hat einfach mit Beobachtung, vielen Gesprächen und Analysen dieser Informationen zu tun. Ein Rezept gibt es auch nicht. Ich habe eine goldene Regel: Bleib auf dem Gebiet, das Du verstehst und versuch nicht auf allen Hochzeiten zu tanzen. Ich bin seit 25 Jahren im Informatikbereich tätig und habe mir ein Netzwerk aufgebaut, das ich auch pflege. Aus all den Gesprächen filtere ich Informationen, versuche diese mit anderen Aussagen abzugleichen und kann so neue Trends erkennen. Auf dieser Basis versuche ich dann die Trends im Markt zu erhärten und lege meine Strategie(n) fest.

Was sind denn die aktuellen Trends?
Ich sehe drei Gebiete, bei denen man dabei sein sollte:

VOIP-Dies ist eigentlich schon kein Trend mehr, sondern ein grosses Geschäft und es wird in den nächsten 2 Jahren noch an Bedeutung gewinnen. Die Swisscom will die analoge und ISDN Sprachtelephonie bis Ende 2017 abschalten, d.h. Firmen- sowie Privatkunden müssen bis dann auf Internettelephonie umgestellt sein. Der Kampf ist entbrannt und jeder versucht die eigene Ausgangsposition zu verbessern. Auch ich bin in diesem «Rennen» mit der Firma Nexphone AG aktiv dabei. Die Firma haben wir 2010 mit dem Ziel gegründet, für die Kunden gute und günstige Lösungen – auch für Kunden mit Teilnehmervermittlungsanlagen – zu bieten. Die Nexphone tritt hier als Grosshändler auf und betreibt keinen Direktverkauf, d.h. der Vertrieb erfolgt ausschliesslich über Partner. Das Ziel ist klar! Wir müssen schnell sein und Marktanteile jetzt gewinnen, wenn der Mitbewerb den Speed noch nicht aufgenommen hat. Dies kann über Zukauf von Firmen oder Marketing erfolgen.

M2M (Machine to Machine Communication)-Hier ist ein gigantischer Markt am entstehen! Geräte kommunizieren miteinander! Seit 2010 sind wir mit Tracker.com in diesem Segment präsent. Was zu Beginn ein GPS System mit diversen Möglichkeiten, wie zB. den aktuellen Standort des Wagens oder einer Person feststellen zu können, war, stellen diese Funktionen heute nur noch von rund 20 Prozent des gesamten Umsatzes dar. Da die beschriebenen Lösungen auch schnell substituiert werden können, haben wir uns auf Lösungen, sprich Mehrwert, für den Kunden spezialisiert und konnten uns damit vom Mitbewerb abheben. Alles megainteressant! Aber die Firma wird gross und grösser und wir mussten früher Strukturen schaffen als geplant. Nur schon das Volumen von rund 6.5 Millionen Positionsmeldungen pro Tag bedingen grosse Serverkapazitäten. Und wir wachsen weiter!! Jeden Monat kommen  zwischen 100 bis 120 neue Kunden dazu!

Cloud – Der dritte Trend ist Cloud Computing. Hier sind wir mit der Firma Iway sehr gut positioniert. Auch hier ist viel in Bewegung. Lösungen in diesem Bereich sind gefragt und wenn diese vielleicht noch unabhängig von «grossen US-Firmen» geboten werden können, umso mehr.

Die beschriebenen Firmen werden durch die solution.ch unterstützt. Solution schreibt die kundenspezifischen Lösungen. Somit können Sie kundenspezifische Lösungen aus «einer Hand» anbieten, obwohl die Firmen unabhängig und jederzeit einzeln auch verkauft werden könnten. Werden die Firmen von verschiedenen «Teams» geführt? Wie wird die Zusammenarbeit gewährleistet?

Solution
Nexphone       tracker    iway   

In unserem Angebot spielt die solution.ch tatsächlich eine wesentliche Rolle. Die solution entwickelt kundenspezifisch Programme / Applikationen. Damit können wir die Lösung aus einer Hand anbieten.
Zur Frage, ja, die Firmen sind unabhängig und werden auch so geführt. Die Koordination der Aktivitäten wird – sofern notwendig – von mir persönlich sichergestellt. Im Daily business ist die Zusammenarbeit mit Führung und Richtlinien sichergestellt. Ich muss also nur bei grösseren oder bei Projekten mit ganz speziellen Anforderungen eingreifen.

Hat sich das Umfeld verändert?
Ja, die Dynamik. Es geht alles schneller und man muss sich gut vernetzen. Wenn ich so zurückdenke sind die Veränderungen frappant. Mit green als Internetprovider sind wir mit dem Trend mitgeschwommen, die Swisscom gab den Takt vor. Heute mit Tracker sind wir der Pacemaker. Die Aufgabenstellungen sind klar komplexer geworden. Es reicht nicht mehr, nur tracker.ch zu haben – es müssen kundenspezifische Lösungen erarbeitet werden, d.h. es müssen verschiedene Komponenten zusammenkommen, um erfolgreich zu sein.  

Es fällt auf, dass Sie Firma gezielt aufbauen und diese, nachdem sie sich im Markt etabliert haben, wieder verkaufen. Haben Sie jeweils eine Exit-Strategie oder wird es Ihnen langweilig?
Wahrscheinlich trifft beides zu. Zum einen ist ein möglicher Exit aus dem Markt Bestandteil des Business-Plans. Wir wissen und setzen uns entsprechende Ziele wo wir bis wann sein müssen, d.h. konkret welchen Marktanteil, welche Stellung im Markt wir bis wann erarbeitet haben müssen und auch für welche Firmen wir die «Braut» attraktiv machen. Was wir jedoch nicht immer genau planen können, ist der «optimale» Zeitpunkt für einen Verkauf, aber wir versuchen so nahe wie möglich an diesen Punkt zu kommen.

Auf der anderen Seite bin ich wahrscheinlich der «Pionier-Typ». Im Aufbau einer Firma werden solchen Typen gebraucht, die unkonventionell und flexibel an die Sache gehen und vielleicht auch mal Querdenken. Die Firma hat zu diesem Zeitpunkt noch relativ wenig Strukturen – es herrscht Aufbruchstimmung. Sobald es jedoch in die Konsolidierungsphase geht, scheint auch meine Zeit gekommen. Es werden andere «Typen» benötigt. Auch hier – wie zu Beginn kurz erwähnt – «Schuster bleib bei Deinen Leisten» – ist es wichtig, dass man sich bewusst ist, was man kann und gerne macht. Man sollte sich nicht verbiegen. Auf zu neuen Ufern!

Heisst das, das Sie schon wieder an Neues denken?
Zuerst muss ich mal meine «Babies» gross bringen – aber natürlich denke ich schon an neue Sachen, die aber noch nicht spruchreif sind. Sie hören sicherlich wieder von mir.