Matthias Meier ist Geschäftsführer der Wärmeverbund Riehen AG

Interview mit Matthias Meier von Niggi Freundlieb

Der Wärmeverbund Riehen ist der einzige Geothermie-Wärmeverbund der Schweiz. Er versorgt 6‘150 Riehener – oder fast einen Drittel der Riehener Bevölkerung – mit Wärme. Die Energie für die Wärmeversorgung stammt im normalen Betrieb zu 50 Prozent aus der in Riehen gewonnenen Geothermie.

Mit der Gründung der Wärmeverbund Riehen AG im Jahre 2009 durch die beiden Aktionärinnen Gemeinde Riehen (Aktienanteil 87.5%) und IWB (Aktienanteil 12.5%) entstand aus den bisher autonomen drei Wärmeverbunde Riehen Dorf, Niederholz und Wasserstelzen ein grosser Wärmeverbund. Damit konnte die seit 1994 im Riehen Dorf installierte Geothermieanlage CO2-freie Wärme in ein doppelt so grosses Versorgungnetz abgeben. Es wird nicht nur die Gemeinde Riehen mit Wärme beliefert, sondern, als einzige länderübergreifende Wärmeversorgung, auch der Wärmeverbund Stetten Süd auf deutschem Boden. Seit 2010 wird die Fernwärme in Riehen unter dem Label «erwärmeriehen» angeboten.

Im Gespräch erklärt Matthias Meier, Geschäftsführer der Wärmeverbund Riehen AG, wie die Geothermieanlage funktioniert, weshalb es für die Versorgung mit Gas betriebene Blockheizkraftwerke braucht und welche Ausbauziele in naher Zukunft formuliert werden.

GESCHÄFTSFÜHRER: Wie funktioniert die Geothermieanlage?
Matthias Meier: Die Anlage – sie ist das Herzstück in unserer Grundlastzentrale – besteht aus einem Entnahmebrunnen mit einer Tiefe von rund 1‘547 Metern, der Wärmeauskopplungsanlage und dem Rückgabebrunnen mit einer Tiefe von rund 1‘247 Metern. In dieser Tiefe befindet sich eine Muschelkalkschicht, welche natürlich Wasser führt. Das Geothermiewasser wird mit rund 65° C bis zu 25 Liter pro Sekunde aus dieser Schicht entnommen und nach der Wärmeauskopplung mit ca. 25°C im zweiten Brunnen wieder in diese Schicht zurückgegeben.

Es wird aber nicht nur mit der Geothermieanlage allein Energie produziert?
2010 beziehungsweise 2011 wurden neben drei neuen, leistungsstarken Wärmepumpen für die Geothermieanlage zwei grosse Gas-Blockheizkraftwerke eingebaut. Diese produzieren Wärme, welche ins Netz der «erdwärmeriehen» eingeleitet wird, und Strom, welcher an die IWB verkauft werden kann. Neben diesen Anlagen sind noch weitere mit Gas und Holz betriebenen Kesselanlagen, um bei kalten Aussentemperaturen die benötigte Spitzenlast an «erdwärmeriehen» für die Versorgung unserer angeschlossenen Kunden erzeugen zu können.

Ein zentrales Ziel von «erdwärmeriehen» ist die Reduktion der CO2-Emissionen – wieso werden dann mit Gas betriebene Blockheizkraftwerke benötigt?
Wegen des sehr hohen Wirkungsgrades sind die Blockheizkraftwerke umweltfreundlicher als herkömmliche Heizkessel, da sich so ca. 40% der Primärenergie einsparen lassen. Wir bieten eine sehr ökologische Lösung durch den intelligenten Verbund der zur Verfügung stehenden Ressourcen. Zusätzlich lässt sich sagen, dass wir mit der Inbetriebnahme der neu erstellten Spitzenlastzentrale Süd im Frühjahr 2013 einen weiteren Schritt zu Senkung der CO2-Emission machen konnten. So wird in dieser Zentrale Wärme aus dem Fernwärmenetz der IWB ausgekoppelt. Die Fernwärme von IWB ist zu über 60% CO2-neutral. Die neue Zentrale ersetzt die bisherige Zentrale-Niederholz, welche mit zwei Öl/Gas-Kesselanlagen ausgerüstet war. Mit dieser Massnahme können ca. 935 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.

Baut «erdwärmeriehen» weiter aus?
Natürlich! Die Nachfrage ist so gross, dass wir unser Aktienkapital um 5 Mio. Franken erhöhen wollen, um Netzerweiterungen zu realisieren, immer natürlich unter dem Aspekt, dass sie nachfrageorientiert und langfristig wirtschaftlich sind. Mit jedem Hausanschluss lässt sich der Anteil Geothermie der «erdwärmeriehen» weiter erhöhen.

Weitere Informationen:
Wärmeverbund Riehen AG
Wettsteinstrasse 1
CH-4125 Riehen
Tel.:             061 275 53 00
Fax:             061 275 59 50
E-Mail:         info@erdwaermeriehen.ch
Homepage: www.erdwaermeriehen.ch