Ende 2012 von der Basler Regierung als Delegierter des Kantons Basel-Stadt in den Theater-Verwaltungsrat bestimmt, löste Samuel T. Holzach, einstimmig vom Verwaltungsrat zum Präsidenten gewählt, den abgetretenen Martin Batzer ab, der nach sieben Jahren seinen Rücktritt erklärt hatte. 
Im Interview mit dem GESCHÄFTSFÜHRER spricht der ausgebildete Betriebsökonom, Regionaldirektor UBS Basel und bekennende Theaterfan über seine Philosophie, dem Theater Basel weitere Publikumssegmente zu erschliessen, die Erwartungen an den neuen Intendanten oder über die nötig gewordenen baulichen Sanierungsarbeiten am 1975 erstellten Theaterbau.
GESCHÄFTSFÜHRER: Welche Aufführung des Theater Basel hat Ihnen in letzter Zeit besonders gefallen, und auf was freuen Sie sich speziell?

Ihren Leserinnen und Lesern empfehle ich natürlich generell ein Theater-Abo, denn das Theater Basel bietet auf hohem Niveau in allen drei Sparten für jeden Geschmack etwas (lacht). Mir persönlich hat «Frankenstein» sehr gefallen, die Inszenierung von Philipp Stölzl war schlicht grossartig. Leider fand die letzte Vorstellung Mitte Oktober statt, weil aufgrund der besonderen Arena-Bühne «en suite» gespielt werden musste. Aktuell empfehle ich «Dance talks» mit Choreografien von Jean-Philippe Dury, Richard Wherlock und Ed Wubbe. Bis Ende November zeigen die Tänzerinnen und Tänzer von Richard Wherlock, weshalb das Ballett des Theater Basel höchste tänzerische Qualität bietet und zu Recht eine internationale Reputation geniesst. Und dann freue ich mich besonders auf «Don Pasquale, ein  Dramma buffo» (gehört das so zusammen???) von Gaetano Donizetti in der Inszenierung des Schauspielers und Komikers Massimo Rocchi. Das darf man nicht verpassen!
Wie gross ist der «Brocken», der mit der Sanierung auf das Theater Basel zukommt?
Es ist ein grosser Brocken mit einer Investitionssumme von 72 Millionen Franken, welche notabene allein vom Kanton Basel-Stadt getragen wird. Die Sanierung, welche bereits in Teilen angefangen hat, wird über vier Jahre verteilt und findet vor allem während der Sommerpause 2015 statt. Diese Arbeiten sind bei einem Gebäude, das nun knapp 40 Jahre alt ist, kein Luxus, sondern unumgänglich und dienen der Werterhaltung. Während die Bühnentechnik durch die Jahre hindurch laufend modernisiert worden ist, müssen wir vor allem in die Haustechnik, vor allem bei der Lüftung und der Elektrotechnik, investieren. Ein besonderes Anliegen ist uns im Verwaltungsrat eine Verbesserung des Sitzkomforts der Grossen Bühne. Wir werden deshalb die Länge der Sitzreihen mit zurzeit 32 Sitzplätzen reduzieren, um den Zuschauern mehr Knie- und Ellbogenfreiheit zu ermöglichen. Gleichzeitig werden die Zugänge zu den Fluchtwegen verbessert. Dies kostet zusätzliche drei Millionen Franken, was aber nicht im ordentlichen Sanierungsbudget enthalten ist und auch nicht vom Steuerzahler berappt werden muss, weil wir dafür Sponsoren und Mäzene suchen.
Die aktuellen Zuschauerzahlen werden ja erst Ende diesen, Anfang nächsten Jahres ausgewertet sein und bekannt gegeben. Können Sie dennoch jetzt schon bestätigen, dass diverse Massnahmen, welche bereits ergriffen worden sind, erfolgreich waren?
Wie Sie erwähnt haben, kann ich den Zahlen nicht vorgreifen, aber man kann sicher sagen, dass spezielle Angebote für Expats, kundenfreundlichere Öffnungszeiten der Billettkasse, Last-Minute-Angebote für Studierende und Schüler sowie massgeschneiderte Angebote für Firmen diese Ziele unterstützen. 
Generell: Was ist Ihre Philosophie, mehr Menschen ins Theater Basel zu bringen?
Das ist ein äusserst komplexes Thema. Das Theater steht heute in Konkurrenz zu schier unermesslichen Kultur- sowie Freizeitangeboten und muss gleichzeitig einen Bildungs- und Unterhaltungsauftrag erfüllen. Damit die Menschen gerne ins Theater gehen wollen, müssen sie sich dort wohlfühlen – mit der laufenden Sanierung werden diesbezügliche Schritte getan – aber verschiedenste Zuschauergruppen mit teilweise völlig unterschiedlichen Ansprüchen wollen auch das sehen, was sie wünschen. Dementsprechend gilt es, programmlich eine ausgewogene Mischung aus Tradition, Moderne, Unterhaltung oder Experimenten anzubieten. Wir brauchen «Blockbuster», welche dank grosser Akzeptanz und Auslastung es ermöglichen, auch weniger Massentaugliches ins Programm aufzunehmen. Da sich auch die Zuschaueransprüche verändern, muss sich das Theater Basel immer wieder neu erfinden, neue künstlerische Akzente setzen, aber auch in der Vermarktung und in der Ansprache an das Publikum – zum Beispiel durch verbesserten Einbezug der neuen Medien – neue Wege gehen. Daran arbeiten wir alle täglich. 
Hat man mit Andreas Beck einen Direktor gefunden, welcher diese Ansprüche – vor allem im künstlerischen Bereich – erfüllen kann? 
Davon bin ich überzeugt, sonst wäre er ja nicht ausgewählt worden. Andreas Beck wird ohne Zweifel das Schauspiel etwas stärker gewichten, ohne bei den anderen Sparten Abstriche zu machen. Vor allem hat er angekündigt, die drei Sparten stärker miteinander zu «verschränken» und Synergien zu nutzen, was ein hoch interessanter Ansatz ist, um die enormen Talente im Theater Basel noch besser zur Geltung zu bringen, worauf sich das Publikum sicher freuen kann. Andreas Beck hat auch bei seinen bisherigen Tätigkeiten und zuletzt als Leiter des Schauspielhauses Wien gezeigt, dass er den Vermarktungsmechanismen und der Publikumsbindung einen hohen Stellenwert einräumt.

Theater Basel
Die Anfänge des Theater Basel gehen bis auf 1828 zurück. Die damals gegründete «Gesellschaft des Stadttheaters» erbaute das im Jahre 1834 fertiggestellte Theater auf dem Blömlein an der Theaterstrasse, das 1875 durch einen Neubau im Barockstil ersetzt wurde. 1909 brannte das Haus nieder, wurde aber wieder aufgebaut. 1975 trat an die Stelle des alten Stadttheaters der heutige Komplex der Architekten Gutmann/Schwarz. Diesem angeschlossen wurde Anfang 2002 auf Initiative der privaten Stiftung «Ladies First» das Schauspielhaus an der Steinentorstrasse, das die Komödie, die 1968 dem Stadttheater angegliedert worden war, ersetzte. Die Grosse Bühne mit rund gut 1000 Plätzen wird vor allem für Opern- und Ballettproduktionen, aber auch für Schauspielaufführungen benützt. Der Schauspielhaus-Neubau umfasst 480 Plätze. Die Kleine Bühne mit 320 Plätzen dient allen drei Sparten als Spielstätte für Produktionen.
Das Theater Basel ist eine privatrechtlich organisierte Institution. Es wird getragen von der Theatergenossenschaft Basel, der natürliche und juristische Personen beitreten können. Geschäftsleitendes Organ der Theatergenossenschaft ist der aus neun Mitgliedern bestehende Verwaltungsrat. Die unmittelbare Führung des Theater Basel obliegt dem künstlerischen Direktor und der Verwaltungsdirektorin.
Das Theater Basel zählt über 400 festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Rechnet man die Teilzeitbeschäftigten wie z.B. Publikumsgarderobieren, Extrachor und Orchester (das Sinfonieorchester Basel gehört nicht fest zum Theater Basel) dazu, dann kommt man auf rund 1000 Personen, die regelmässig am Theater beschäftigt sind.

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