Jean-Marc Hensch ist Geschäftsführer von Swico.

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr: Wenn wir uns für unsere Welt eine nachhaltige, Ressourcen-effiziente Zukunft wünschen, ist lineares Wirtschaften keine Option. Die Zielgerade heisst Kreislaufwirtschaft. Wer dabei gleich an Recycling und Maximalquoten denkt, ist jedoch auf dem Holzweg. Gibt es denn überhaupt etwas Besseres als Recycling? Ja, das gibt es tatsächlich. Auch wenn die Antwort aus Sicht der Recyclingverantwortlichen etwas überraschen mag – die Liste der besseren Lösungen ist sogar recht lang: Von «Ich brauche es nicht» (Suffizienz) bis zu «Ich muss es nicht besitzen» (Stichwort Carsharing) bis zu «Ich lasse es reparieren» oder «Ich gebe es weiter». Das eigentliche Recycling kommt idealerweise erst ganz am Schluss.

In der Schweiz können Elektro(nik)altgeräte kostenlos zum Recycling abgegeben werden. Dies dank des vorgezogenen Recyclingbeitrags (VRB), der beim Kauf eines neuen Produkts anfällt. Organisiert und verwaltet wird das Elektroschrott-Recycling durch zwei privatrechtliche Rücknahmesysteme. Swico Recycling kümmert sich dabei um die Kategorien Büro- und Unterhaltungselektronik, Kommunikation, grafische Industrie sowie Mess- und Medizinaltechnik und sorgt mit zahlreichen Partnern für ein effizientes und fachgerechtes Recycling. Die Rücknahme von Elektroschrott hat in der Schweiz Tradition – schon Anfang der 90er-Jahre wurde sie als Lösung der Wirtschaft ins Leben gerufen, noch bevor 1998 die Rücknahme- und Recyclingpflicht gesetzlich verankert wurde. Die Schweizer Rücknahmequoten – je nach Produktekategorie bis zu 95 Prozent – sind im internationalen Vergleich dabei einzigartig. In vielen EU-Ländern herrschen immer noch desolate Zustände in Sachen Elektroschrott-Recycling: Im Schnitt gelangen europaweit nur 35 Prozent der Ware in die offiziellen Rücknahmesysteme und werden damit fachgerecht rezykliert. Die restlichen 65 Prozent werden nicht erfasst und entweder exportiert, unsachgemäss rezykliert oder landen im Abfall. 

Dass die Rücklaufquote der Schweizer Systeme sehr viel höher ist, kann man auf vier wesentliche Punkte zurückführen: Erstens hat die Schweiz ein ausserordentlich dichtes Sammelnetz mit über 6 000 Rücknahmestellen. Zweitens werden alle Marktakteure einbezogen und damit die Stoffflüsse ab dem Moment, wo ein Gerät zurückgenommen wird, lückenlos erfasst. Die Recyclingsysteme geniessen zudem eine sehr hohe Akzeptanz und sind dank jahrelanger Aufklärungsarbeit bei der Schweizer Bevölkerung und den Unternehmen fest verankert. Und nicht zuletzt ist es hierzulande dank Binnengrenzen und strengen Ausfuhrbestimmungen praktisch unmöglich, Elektroschrott illegal zu exportieren. 

Recycling ist natürlich zentral für die Umwelt – in den letzten 25 Jahren konnte der Umweltnutzen um Faktor 3.3 gestei-gert werden, wobei die Schadstoffentfrachtung bei Elektrogeräten davon gut die Hälfte ausmacht. Recycling ist aber auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Dank des Einsatzes von Sekundär-Rohstoffen spart die Schweiz jährlich circa 1.4 Milliarden CHF ein (Preise 2017). Trotzdem bedeutet eine maximale Recyclingquote nicht automatisch ein Gewinn für die Umwelt oder das Portemonnaie. Denn je weiter man das Recycling betreibt, desto mehr fällt neben dem ökologischen Nutzen auf der Gegenseite der ökologische Aufwand ins Gewicht: Energieeinsatz, CO2-Ausstoss, graue Energie oder der Einsatz von Laugen und Säuren. Deshalb muss man immer darauf achten, dass der Recyclingaufwand den Recyclingnutzen nicht übersteigt. 

Fazit: Wenn der Kreislaufwirtschaftsgedanke richtig umgesetzt werden soll, muss man nicht nach dem Maximum, sondern nach dem Optimum suchen. Dieses Optimum ist von Produkt zu Produkt unterschiedlich. Hier spielt die wissenschaftliche Forschung eine zentrale Rolle, beispielsweise bei der EMPA, die auch die Swico-Recyclingbetriebe kontrolliert. Stoffkreisläufe intelligent zu schliessen, gelingt zudem nur, wenn die ganze Wertschöpfungskette koordiniert ist. Und zwar vom Design eines Produkts bis hin zur Qualität des Rezyklats und der Nachfrage am Markt. Swico bringt als Verband für die digitale Schweiz und als Recyclingsystem der ICT-Unternehmen für die Wirtschaft all diese Elemente zusammen. 

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