Sie haben vor etwas einem Jahr den Job als Director von ImmoScout24 angetreten. Mit welcher Zielsetzung?
Wir wollen für Firmen- wie für Privatkunden sowohl in Bezug auf Suche und Insertion aber auch für Werbung die attraktivste und effektivste Immobilien-Plattform der Schweiz sein.

Zuvor waren Sie bei der Credit Suisse und bei eny Finance im Finanzbereich tätig. Welche Erfahrungen und Erkenntnisse aus diesem Bereich können Sie in Ihrem neuen Arbeitsbereich nutzen?
Es gibt zwei zentrale Elemente, die ich mitnehmen kann: Einerseits habe ich mich in meiner Vergangenheit immer mit Online-Geschäftsmodellen und -Prozessen beschäftigt. Diese Erfahrung kann ich sicherlich auch bei ImmoScout24 als Online-Immobilienplattform einbringen. Andrerseits war ich bei der Credit Suisse für das schweizweite Marketing im Retail Banking verantwortlich und habe mich dabei hauptsächlich mit dem Hypothekenmarkt und damit auch mit dem Immobilienmarkt in der Schweiz auseinandergesetzt. Auch dieses Wissen hilft mir in meiner Tätigkeit sehr.

ImmoScout24 geniesst einen hohen Bekanntheitsgrad. Wodurch unterscheidet sich das Portal von anderen Immobilien-Plattformen?
ImmoScout24 ist mit täglich 75’000 aktuellen Angeboten der grösste Online-Marktplatz für Wohn- und Gewerbeimmobilien der Schweiz. Gerade kostenlose Immobilienplattformen können hier nicht mithalten, da sie die Inserate «spidern», d.h. bei anderen Plattformen absaugen. Diese sind bei der Veröffentlichung dann teilweise schon nicht mehr aktuell. Im Vergleich zu unbezahlten Immobilienplattformen können wir mit Themen wie Informationen per Push Notification und Suchauftrag via Desktop und Mobile punkten. Kurz: bei ImmoScout24 erhalten die User rasch die neusten Inserate zu passenden Immobilien und finden somit schnell und unkompliziert das richtige Objekt.
Welche Rolle spielen heute redaktionelle Inhalte?
Grundsätzlich möchte der User vor allem eine gut funktionierende und schnelle Plattform mit einer möglichst grossen Auswahl an passenden Miet- und Kaufobjekten. Redaktioneller Inhalt dient dabei als Zusatznutzen. Es ist unser Service für den User, damit er sich auf ein und derselben Plattform auch gleich zu allen Immobilien-relevanten Themen wie Finanzierung, Umzug, Energie, Einrichtung etc. informieren kann. Wir bieten damit dem User einen zielgerichteten Mehrwert.
Kommen wir auf den Immobilienmarkt zu sprechen. Da ist seit Jahren die Rede von Überhitzung, Preisblasen, hohen Mieten und tiefen Leerstandsquoten. Welche Entwicklungen konnten Sie in den letzten Monaten feststellen?
Unsere Feststellung: All dies trifft so nicht mehr zu. Es gibt keine wirkliche Überhitzung, Preisblasen vergehen und der Leerstand steigt allmählich. Beim Wohneigentum hat sich ganz klar eine Abkühlung des Preiswachstums bestätigt. Sowohl bei den Eigentumswohnungen mit -2 Prozent als auch bei den Einfamilienhäuser mit -0.7 Prozent gingen das Preiswachstum klar zurück. Dies deutet auf ein zunehmendes Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage hin.
Bei den Mietwohnungen verzeichneten wir 2014 den stärksten Anstieg der Leerstände seit 1997. Seit 2007 stieg der Wert aufgrund der anhaltenden Mietwohnungsproduktion erstmals wieder über 1 Prozent. Hier gaben vor allem touristische Regionen und Agglomerationen den Ausschlag. Die Nachfrage nach Mietwohnungen ist immer noch hoch, durch die Veränderung in der Struktur der Zuwanderung sind jedoch zunehmend günstige Mietwohnungen gefragt.
Die Verschärfungen bei der Hypothekarvergabe haben also bereits Wirkung gezeigt?
Das ist korrekt. Diese Verschärfungen zeigen ihre Wirkung. Paradoxerweise gibt es aber gleichzeitig den gegenläufigen Effekt der historisch rekordtiefen Zinsen. Die aktuellste Entscheidung der SNB bezüglich Negativzinsen wird dieses Spannungsfeld weiter verschärfen. Es wird  interessant sein, hier die weiteren Entwicklungen zu beobachten.
Ein Ende des Immobilienbooms dürfte aber gerade angesichts der tiefen Zinsen nicht in Sicht sein?
Dies stimmt definitiv. Der Erwerb von Wohneigentum bleibt für Herr & Frau Schweizer aufgrund des rekordtiefen Zinsniveaus sehr attraktiv. Die Zinssituation lockt ausserdem zunehmend Investoren in den Immobilienmarkt, die dann die Produktion von neuen Immobilien ihrerseits ankurbeln.
Das Wohnungsangebot ist gerade in den Städten sehr knapp. Viele Wohnungen sind kaum bezahlbar, viele gehen unter der Hand weg. Was sind neben der Lage, Grösse und Preis die wichtigsten Faktoren bei der Objektsuche?
Die von Ihnen aufgezählten Faktoren, also Lage, Grösse und Preis sind ganz klar die wichtigsten. Alle weiteren Faktoren sind sehr von individuellen Präferenzen und Vorstellungen geprägt, wie beispielsweise Alter des Objekts, Baustil, modern oder rustikal, und Ausbaustandard.
Welches sind die beliebtesten Wohngegenden?
Die beliebtesten Wohngegenden sind die bekannten Ballungszentren Zürich, Basel, Genf und Bassin Lemanique. Wir beobachten jedoch zunehmend einen Trend, sich an der Peripherie dieser Ballungszentren Wohnraum zu suchen. Dort sind Immobilien bezahlbarer und trotzdem gut erschlossen.