Basel muss wachsen – vor allem qualitativ, denn die Ressourcen an Boden, Energie oder Infrastruktur sind begrenzt oder lassen sich nicht beliebig ausbauen. Bevölkerungswachstum ist dabei nicht Selbstzweck, sondern ein Szenario, wie es von den Experten erwartet wird.

Sich verändernde Familien- und Sozialstrukturen, eine an ihre Grenzen stossende Mobilität oder eine im nationalen und globalen Wettbewerb stehende Wirtschaft stellen hohen Anforderungen an die Entwicklung von Stadtregionen. Um diesen gerecht zu werden, braucht es nicht quantitative, sondern kreative Lösungen – dies insbesondere auch im Wohnbereich, wie Thomas Kessler, Leiter der Abteilung Kantons- und Stadtentwicklung im Basler Präsidialdepartement, im Interview mit dem «Geschäftsführer» erklärt. Im Vordergrund stehen dabei die Förderung innovativer Wohn-, Lebens- und Arbeitsformen, die intelligente Nutzung der vorhandenen Ressourcen sowie der Einsatz moderner Technologien.

INTERVIEWBOX:

«Geschäftsführer»: Basel braucht nicht nur mehr, sondern vor allem intelligent genutzten Wohnraum – was heisst das konkret?

Thomas Kessler: Intelligent genutzter Wohnraum bedeutet zum Beispiel, dass verschiedene Generationen, Familien mit Kindern, Singles oder junge Menschen mit ihren verschiedenen Bedürfnissen am selben Ort leben können. In der trinationalen Region bedeutet dies, Wohnraum für ganz verschiedene zukünftige Bewohnerinnen und Bewohner bieten zu können. Deshalb ist nicht die Grösse der Wohnungen das wichtigste Kriterium, sondern deren konkrete Nutzbarkeit für verschiedene, sich verändernde Wohnbedürfnisse. Wichtig dabei ist das soziale Umfeld, welches Begegnungen schafft. Es braucht in unmittelbarer Nähe zum Wohnraum Einkaufs- und Kinderbetreuungsmöglichkeiten und attraktiven, vielfältig nutzbaren öffentlichen Raum – zum Beispiel für Kleinkultur. Genützt werden müssen dabei die (bau-)technologischen Möglichkeiten – zum Beispiel ressourcenschonende und verdichtete Bauweisen durch Wohnhochhäuser. Mitdenkende Haushaltgeräte haben das Potential, Einkaufsverkehr zu reduzieren.

Sind dies – wie Sie es auch schon genannt haben – einige der Voraussetzungen für eine Stadt der kurzen Wege?

Richtig, möglichst viele Menschen sollen in der Stadt leben und arbeiten, anstatt wegen grosser Distanzen zwischen Wohn- und Arbeitsort dem aufwändigen Mobilitätszwang unterworfen zu sein. Stellen Sie sich nur schon die Verbesserung der persönlichen Lebensqualität und die Zeitersparnis vor, wenn man in wenigen Minuten zu Fuss, mit dem Velo oder dem Tram von zuhause an seinen Arbeitsplatz gelangen kann.

Inwieweit muss sich die Arbeitswelt ändern, damit die geschilderte Entwicklung auch nachhaltig verläuft?

Auch die Arbeitswelt beziehungsweise die Unternehmen müssen und werden sich verändern. Schon mit den heutigen technischen Möglichkeiten könnte man viel mehr von zuhause oder einem beliebigen Ort aus arbeiten. Wichtig ist aber – nebst einer Anpassung der rechtlichen Grundlagen für Heimarbeit – eine gezielte Förderung durch Unternehmen, deren Jobprofile Heimarbeit zulassen. Damit erübrigen sich enorm viele Auto- und Zugfahrten. Oder flexible und intelligent koordinierte Arbeitszeiten: Sie könnten dank dem Einsatz moderner Informationstechnologien dafür sorgen, dass der öffentliche Verkehr nicht immer zu den gleichen Zeiten überlastet wäre und die Passagierströme besser verteilt würden, was wiederum Kapazitäten freimachen und Energie sparen würde.